BRSD

Bund der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands e.V.

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75 Jahre BRSD

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Der "Bund der religiösen Sozialisten Deutschlands" (BRSD)1
Versuch einer Geschichte im Überblick
zum 75. Geburtstag des Bundes

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Ulrich Peter referiert beim BRSD-Jubiläum 2001
Gliederung

I.) Zum Begriff "religiöse Sozialisten"
II.) "Religiöse Sozialisten: Organisation und breite Strömung
III.) Entstehung und Struktur des BRSD
IV.) Sozialstruktur des BRSD - fünf Beispiele
V.) Der BRSD als Organisation
VI.) Zielsetzung und Selbstverständnis des BRSD
VII.) Theologie der religiösen Sozialisten
VIII.) BRSD und Arbeiterbewegung
IX.) BRSD und Antifaschismus
XI.) Religiöse Sozialisten nach 1945
XII.) BRSD im "kalten Krieg": der kurze Frühling und der lange Winter!
XIII.) Religiöse Sozialisten heute


Zu Beginn sei festgestellt, dass die Liste derjenigen, die die religiösen Sozialisten bekämpften und den notwendigen Antagonismus von Christentum und Sozialismus postulierten, eine beachtenswerte Bündnisbreite aufwies. Lassen wir einige Gegner zu Wort kommen.

"Christenthum und Sozialismus stehen sich gegenüber wie Feuer und Wasser"
(August Bebel in seiner Kontroverse mit Kaplan Hohoff, veröffentlicht in "Christenthum und Sozialismus", Berlin 1903)

"Religiöser Sozialismus, christlicher Sozialismus sind Widersprüche in sich. \'Es ist unmöglich, gleichzeitig guter Katholik und wirklicher Sozialist zu sein.\' Der alte August Bebel behält recht \'Christentum und Sozialismus stehen sich gegenüber wie Feuer und Wasser\'."
(Papst Pius XI in seiner Enzyklika Quadragesimo anno, kommentiert von Oswald von Nell-Breuning, Köln 1932, S.206)

"Die Kommunistische Partei der Freundschaft mit dem religiösen Sozialismus zu verdächtigen, ist ein noch lächerlicherer Versuch. Die Kommunistische Partei steht grundsätzlich auf dem Boden des dialektischen Materialismus und bekämpft den religiösen Sozialismus als eine besonders gefährliche reaktionäre Strömung, die unter dem Deckmantel des Sozialismus Religion und Kirche an die Arbeiterschaft heranzuschmuggeln versucht. Eine Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei ist unvereinbar mit der bei den religiösen Sozialisten. Die gesamte Presse der Kommunistischen Partei, die unter einheitlicher ideologischer Leitung des Zentralkomitees steht, bekämpft einheitlich den religiösen Sozialismus".
(Die Rote Fahne, Nr.218 v. 15.9.1928)

"Die allerschlimmsten Feinde, die wir haben, das sind diejenigen Burschen, die die Frechheit besitzen, den Sozialismus mit der Religion verkoppeln zu wollen, sind die sogenannten ‚Religiösen Sozialisten’. Nicht oft genug kann betont werden, dass diese Leute Lügner sind, Verbrecher am Gedanken des Sozialismus. ... [Von einem Arbeiter, U.P.] sollte man doch wohl ... erwarten, dass er zum Knüppel greift, wenn sich ihm ein Halunke unter der Maske eines ‚Religiösen Sozialisten’ naht.
(Tribüne, Breslauer KPD-Zeitung, zitiert von Paul Piechowski in der ZRS2 1932, S.224.)

"Der religiöse Sozialismus -eine antisozialistische Ideologie"3
(DDR 1959, Deutsche Zeitschrift für Philosophie)

Was waren nun religiöse Sozialisten? Wie sahen sie sich selbst? Auch hierzu einige Originalstimmen.

"Christentum und Sozialismus als Feuer und Wasser war ein gutes Bild. Aus Feuer und Wasser entsteht Dampf und der Dampf treibt die schwersten Maschinen an. Der Dampf hatte ein neues Zeitalter eingeleitet. Die Bewegung der religiösen Sozialisten strebte auch ein neues Zeitalter, den Sozialismus, an. "
(Der religiöse Sozialist Aurel von Jüchen [1902 – 1991] auf meine Frage, wie der BRSD mit Bebels Verdikt umgegangen sei.)

"Die religiösen Sozialisten kämpfen in bewusster Verantwortung vor Gott und den Menschen in und mit dem revolutionären Proletariat um die sozialistische Neuordnung; sie haben erkannt, daß die Religion beim Aufbau der sozialistischen Gemeinschaft eine entscheidende Rolle spielt"4.
(Der BRSD-Kongreß 1928 in Punkt 1 der "Richtlinien des Bundes")

"Werte Genossen von der KPD ... ihr habt keine Ahnung von den religiösen Sozialisten und lasst euch von den Freidenkern usw. Ammenmärchen erzählen, die ihr glaubt, ohne zu prüfen".
(Der BRSD-Vorsitzende Erwin Eckert in Nr. 13/1927, S.70 des SDAV)

Zutreffend charakterisiert wurden sie auch in historischen Darstellungen selten. Ein positives Beispiel:

"Nur für eine Minderheit der deutschen Protestanten gab das Jahr 1918 den Anstoß zu einer radikalen Abkehr von der traditionellen Einstellung ihrer Kirche zur sozialen Frage. Diese Protestanten waren davon überzeugt, daß die Kirche in ihrer bisherigen Predigt und Praxis gegenüber der sozialen Frage versagt hatte, sie hielten die bisherige soziale Arbeit, die Taktik der zögernden, schrittweisen Reformen, die die Kirche als verbündet mit dem Kapitalismus hatte erscheinen lassen, für falsch. Sie wollten die radikale Umkehr, das "Ernstmachen mit dem Glauben an Gott" und mit dem von ihm verheißenen Reich, sie glaubten, im Sozialismus, in der sich vor ihren Augen vollziehenden proletarischen Revolution, eine Erneuerung christlicher Frömmigkeit zu sehen. ... Ihre politische Taktik war, sowohl in der Kirche zu bleiben als auch zugleich in den Organisationen der Arbeiterbewegung tätig zu werden: sie wollten "fromme Menschen, zuverlässige und opferbereite Genossen sein". Zur Selbstverständigung bildeten sie zunächst regional begrenzte, dann über ganz Deutschland verbreitete Gruppen"
(Helga Grebing, Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, München 1966, S.197).

Im folgenden soll die facettenreiche Bewegung der religiösen Sozialisten in Deutschland dargestellt und ihre Entstehungsbedingungen erläutert werden.

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I. Zum Begriff "religiöse Sozialisten"

1. Der Begriff "religiöse Sozialisten" ist eine Verkettung zweier völlig missverständlicher Begriffe. In der Substanz ist gemeint, daß diese Menschen aufgrund ihres christlichen bzw. jüdischen Glaubens Sozialisten sind. Gemeint ist nicht ein besonderer christlicher Sozialismus, wie er z.b. in der katholischen Soziallehre und im Ahlener Programm von 1947 der CDU vertreten wurde. Gemeint ist auch nicht eine religiöse Überhöhung oder Veränderung des Sozialismus oder eine Instrumentalisierung des Christentums durch die sozialistische Bewegung.

2. Entstanden sind Gruppen religiöser Sozialisten in der Schweiz 1905/1906 unter der Bezeichnung "religiös-sozial". An Namen sind Leonhard Ragaz, Hermann Kutter und Karl Barth zu nennen. Die ersten "Religiösen Sozialisten" firmierten in Deutschland ebenfalls als "religiös-soziale", bis sich ca. Ende 1919 die Bezeichnung "religiöse Sozialisten" als bessere Unterscheidung von den überwiegend links-liberal, sozialreformerisch orientierten Evangelisch-Sozialen (Evangelisch-Sozialer Kongress) und den national-rechts orientierten Christlich-Sozialen der Stoecker-Bewegung (Kirchlich-Sozialer Bund) ) durchsetzte. Die erste Gruppe, die auch unter dieser Bezeichnung auftrat, war der am 3.12.1919 gegründete "Bund religiöser Sozialisten" in Berlin.

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II. Religiöse Sozialisten: Organisation und breite Strömung

1. "Religiöse Sozialisten" im weiteren Sinne bedeutet eine breite organisationsungebundene Strömung, die von dem bekannten jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber über den Tillich-Kreis bis hin zu anarcho-kommunistischen Landkommunen und Projekten der bündischen Jugendbewegung reichte. Diese "Strömung " gab eine Vielzahl von Periodika heraus, die die Beschäftigung mit diesem Sektor für den Historiker gleichermaßen spannend wie mühselig macht. (So ziemlich alles, was es in der nach 68-Alternativbewegung in der BRD gab, kam bereits 1919 - 1933 in dieser Strömung vor. Z.B. Vegetarismus, Lebensreform, antiautoritäre Erziehung, ökologische Orientierung)

2. Im engeren Sinne, d.h. als strukturierte Organisation mit überregionaler Ausdehnung, umfasst "religiöse Sozialisten" in Deutschland vor allem den Bund religiöser Sozialisten (BRSD) mit seinen Neben- und Vorfeldorganisationen. Bedeutsam war auch die ökumenische Funktion des BRSD. Als einzige kirchlich orientierte Organisation der Weimarer Republik umfasste er Quäker, Katholiken, Evangelische unterschiedlichster Ausrichtungen und Juden.

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III. Entstehung und Struktur des BRSD

1. Der BRSD hat sich aus zwei selbstständigen Strängen entwickelt:

a) aus der liberal-bürgerlichen christlichen Friedensbewegung während des 1. Weltkrieges. Diese ursprünglich staatsloyale Bewegung radikalisierte sich durch die Immobilität des Kaisertums und dessen folgendem Zusammenbruch.
b) aus Kreisen christlicher Sozialdemokraten, die gleichzeitig Heimatrecht als Sozialisten in der Kirche und als Christen in der sozialistischen Bewegung erstrebten.

Am Beispiel Berlin sind diese zwei Stränge gut darstellbar. Einmal der pazifistische Flügel der "liberalen Theologie", der sich bereits vor dem 1. Weltkrieg der "Deutschen Friedensgesellschaft" angeschlossen hatte und der zweite Strang, den christliche Sozialdemokraten bildeten, die sich in Moabit und in Neukölln, voneinander unabhängig, zusammengefunden hatten. Die sozialistischen Theologen Günter Dehn und Paul Piechowski hatten hier quasi als Katalysatoren gewirkt.

2. Der BRSD war überwiegend eine Laienbewegung. Pfarrer gehörten zwar zu den Initiatoren und zu den führenden Kräften, waren aber unter den Funktionsträgern eine Minderheit. Alle Arbeit im BRSD wurde ehrenamtlich und unbezahlt geleistet. Einen hauptamtlichen Sekretär, wie in der sozialistischen Bewegung üblich, hatte der BRSD nicht.

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IV. Sozialstruktur des BRSD - fünf Beispiele

Welche Laien aktivierten sich im BRSD? Ich habe die Sozialstruktur des BRSD untersucht in Gesamt-Berlin, v.a. im Arbeiterbezirk Neukölln und im eher bürgerlichen Charlottenburg, wie auch in der Ruhrgebietsstadt Gelsenkirchen und im ostwestfälischen Löhne.5 Die Analyse der Berufsstruktur ergab folgendes Bild: In Neukölln waren die 237 namentlich festgestellten Mitglieder in der großen Mehrzahl Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Angestellte und untere Beamte. Nur fünf Mitglieder waren Theologen, aber drei Mitglieder waren hauptamtliche Gewerkschafter. In Charlottenburg waren die erfassten 304 Mitglieder in der Mehrzahl Angestellte und kleine Beamte. 20 Mitgliedern hatten intellektuelle Berufe. In der Industriestadt Gelsenkirchen/Buer waren von den erfassten 122 Mitgliedern allein 64 Bergarbeiter und weitere 14 Mitglieder waren Arbeiter in anderen Berufen. Hinzu kamen 28 Ehefrauen von Arbeitern. Nichtproletarisch waren lediglich vier Lehrer und eine Lehrerin. Unter den insgesamt 36 Mitgliedern im ländlichen Löhne waren 10 Bahnarbeiter und 19 weitere Arbeiter in verschiedenen Berufen.

Fazit: In allen Stichproben dominierten Angehörige der Arbeiterklasse. Hier war - zumindest von der Sozialstruktur her betrachtet - tatsächlich die Brücke von der Arbeiterschaft zur Kirche geschlagen worden. Diese Struktur bildete sich auch auf den BRSD-Kongressen ab.

Im Jahr 1930 fand in Mannheim der letzte Reichskongress des BRSD vor der Machtübertragung an die Nazis statt. In der Kongressberichterstattung in Nr. 33 des SDAV6 wurden auch die Struktur der insgesamt 215 Delegierten und anwesenden Vertrauensleute mitgeteilt:

Arbeiter und Arbeiterinnen 74
Angestellte 35
Lehrer 21
Pfarrer 52
Beamte 6
Studenten 17
Sozialbeamte 6
Freie Berufe 6
Hiervon waren
Männer 157
Frauen 58

Die Anzahl der Pfarrer war für BRSD-Verhältnisse überproportional hoch. Zu diesem Zeitpunkt hatte die "Bruderschaft sozialistischer Theologen" im gesamten Reich höchstens 190 Mitglieder.7 Von diesen Mitgliedern der Bruderschaft waren sehr viele nicht Mitglied im BRSD, so daß sich auf dem BRSD-Kongress in Mannheim vermutlich jeder zweite im BRSD organisierte Pfarrer aufhielt. Wie ist dies zu erklären? Pfarrer haben, damals wie heute, eine andere Zeitsouveränität als Arbeiter, vor allem dann, wenn die wenigen Tage Urlaub berücksichtigt werden, die damals gewährt wurden. Zudem waren für sie die Fahrtkosten eher erschwinglich. Ein großer Teil der delegierten Arbeiterinnen und Arbeiter konnte das Fahrtgeld nur aufbringen, weil zu ihrer Unterstützung in ihren entsendenden Ortsgruppen kleine und kleinste Beträge gesammelt wurden. Andere fuhren quer durch Deutschland mit dem Fahrrad zum Kongress, ein arbeitsloser Berliner Delegierter ging von Berlin bis Mannheim zu Fuß. An dieser Stelle möchte ich auf eine geradezu klassische eingeschränkte Wahrnehmung vieler Historiker aufmerksam machen. Daraus, daß z.B. zwei von drei Mitgliedern des engeren Reichsvorstandes Pfarrer waren (Eckert und Emil Fuchs), die Schriftleitung der ZRS und des SDAV von Pfarrern ausgeübt wurde und 8 von 11 Landesvorsitzenden Pfarrer waren, ist in einer Reihe von Darstellungen der voreilige Schluß gezogen worden, der BRSD sei ein von Pfarrern dominierter und gelenkter Verband gewesen. Hier möchte ich auf die politische Realität der Weimarer Republik verweisen. Eine Geschäftsstelle eines BRSD-Landesverbandes, benötigte ein Telefon, um erreichbar zu sein und zu kurzfristig nötigen überregionalen Absprachen eine Schreibmaschine für Rundbriefe und zur Beantwortung von Anfragen etc. Zugang zu Druckmöglichkeiten und sei es nur (!) ein Matrizendrucker. Lagerraum für Materialien Platz für Besprechungen.

Eine Arbeiterfamilie hatte in der Weimarer Zeit mit Sicherheit kein Telefon, die nächste Schreibmaschine war im Gewerkschaftshaus bzw. im Parteibüro, wo auch der Umdrucker stand, und bei den beengten proletarischen Wohnverhältnissen war auch für ein Materiallager und für Besprechungen kaum Platz. Aber ein Pfarrhaus erfüllte, von wenigen Ausnahmen abgesehen, diese Voraussetzungen. Diese praktischen Gründe führten zur optischen Über-Repräsentanz der BRSD-Pfarrer, die allerdings, im Gegensatz zur sonstigen Realität in den Kirchen, das Engagement von Laien förderten und unterstützten und nicht lähmten.

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V. Der BRSD als Organisation

Der Reichs-BRSD entstand 1924 - 1926 aus Gruppen rel. Sozialisten, die sich von einander unabhängig 1919/20 in Baden, Thüringen und Berlin gebildet hatten. 1933 bestanden 11 Landesverbände mit ca. 25.000 Mitgliedern. An überregionalen Organen erschien die Wochenzeitung "Sonntagsblatt des arbeitenden Volkes" mit einer Auflage von max. 17.000 Stück und die theoretische "Zeitschrift für Religion und Sozialismus" mit einer Auflage von 1000 - 2000 Stück.

Die Bundesorganisation wurde von einem erst 3-, später 7-köpfigen Bundesvorstand geleitet. Wichtig ist, daß es in der gesamten BRSD-Geschichte keine einzige hauptamtliche Stelle gab. Dies hatte natürlich Auswirkungen auf die organisatorische Potenz. Neben den 11 Landesverbänden bestanden:

  • eine AG der katholischen Sozialisten, die zeitweise eine eigene Zeitschrift "Das rote Blatt der katholischen Sozialisten" herausgab. (Auflage ca. 1200 Stück).
  • eine AG jüdischer Sozialisten, die besonders stark in Berlin vertreten war, wobei die beiden einzigen BRSD-Rabbiner aus Dortmund kamen, Dr. Appel und Dr. Wilhelm. Zudem waren in Preußen jüdische religiöse Sozialisten auch in den Repräsentantenversammlungen von Synagogengemeinden und Landesverband vertreten. Der christlich-jüdische Dialog, der von der Geschichtsschreibung erst nach der Befreiung 1945 verortet wird, fand im BRSD bereits seit 1919 statt. Martin Buber und Schalom ben Chorin waren religiöse Sozialisten. Bei der Bekämpfung des Antisemitismus haben sich BRSD-Pfarrer wie Felden in Bremen und Francke in Berlin exponiert.
    Große Teile der ev. Kirche waren dezidiert antisemitisch und gute Beziehungen zwischen Christen und Juden waren eher die Ausnahme. Die Pfarrer des BRSD sind hier besonders als positive Beispiele zu nennen. Nachdem am 5. und 6. November 1923 die Berliner Faschisten im vor allem von den sog. Ost-Juden bewohnten Berliner Scheunenviertel randaliert hatten (das erste Berliner Pogrom in der Weimarer Republik!), führten am 20.11. 1923 mehrere Berliner Organisationen im Scheunenviertel eine Protestkundgebung durch, die von einigen Tausend Menschen besucht wurde. Hauptredner waren Otto Nuschke und der führende religiöse Sozialist Hans Francke. Emil Felden, Bremer BRSD-Pfarrer, war Verfasser von Anti-Anti. Blätter zur Abwehr - Tatsachen zur Judenfrage, die von dem in Berlin ansässigen jüdischen Philo-Verlag von 1924 -1932 herausgegeben wurde. Als 1930 die Deutsche Liga für Menschenrechte in der Tagespresse einen von 50 nichtjüdischen Deutschen unterzeichneten Aufruf gegen den Antisemitismus veröffentlichte waren unter den Unterzeichnern mit Pfarrer Bleier, Emil Felden und Minister Grimme immerhin drei prominente BRSD-Mitglieder.8

Neben diesen "Arbeitsgemeinschaften" existierte noch die 1926 gebildete "Bruderschaft sozialistischer Theologen". Sie umfasste mit max. 220 Theologen ca. 1,25% der 16.000 evangelischen Pfarrer der Weimarer Republik und war die einzige Pfarrerorganisation, die dezidiert republikanisch, antimilitaristisch und pro-sozialistisch ausgerichtet war.

Die zweite zu nennende Sonderorganisation ist die "Vereinigung religiös-sozialistischer Studenten", die 1930/31 entstand und u.a. Gruppen in Breslau, Heidelberg und Berlin gründete. Dies muss deswegen hervorgehoben werden, da die Hochschulen und insbesondere die ev.-theologischen Fakultäten Domänen der Nazis waren. Dass sich fast alle Mitglieder der "Vereinigung" nach 1933 bei den "Jungen Brüdern" der BK exponierten, ist gleichermaßen folgerichtig, wie von der Geschichtsschreibung des Kirchenkampfes bislang übersehen.

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VI. Zielsetzung und Selbstverständnis des BRSD

1. Von seinem Ursprung her war der BRSD ein doppelter Versuch: Einerseits ging es darum in der deutschnationalen Kirche das "Heimatrecht" für sozialistische Arbeiterinnen und Arbeiter durchzusetzen und die Kirche so zu verändern, daß sich diese auch in ihr wohlfühlen konnten. Der BRSD strebte eine für die Armen parteiliche Kirche an, wollte aber keine sozialistische Parteikirche. Vielmehr ging es darum, die einseitig reaktionäre Bindung der Kirche aufzuheben, die als Hauptursache für den Bruch zwischen Arbeiterschaft und Kirche angesehen wurde. Nicht der Atheismus war dafür ursächlich, sondern die Kirche hatte Schuld an der Ausbreitung der Freidenker. Nur eine Reform der Kirche an Haupt und Gliedern und eine andere Politik konnte den Graben schließen. Hierzu gehörte auch die Bekämpfung der militaristischen und sozialismusfeindlichen Mehrheitsvorstellungen von Pfarrern und Kerngemeinden. Der BRSD sah sich hier als Vertretung sowohl der demokratischen Republik, der Weimarer Friedensbewegung und der sozialistischen Arbeiterbewegung und als Träger eines befreienden Christentums im Sinne der Bergpredigt und der Verheißung des kommenden Reiches Gottes. Die religiösen Sozialisten verstanden sich als Brückenbauer zwischen einer veränderten Kirche und der Arbeiterschaft und formulierten diese Zielsetzung der Kirchenreform in dem Drei-Schritt "In der Kirche - Gegen die Kirche - Für die Kirche!" Dies bedeutete in der heutigen Sprache, dass die religiösen Sozialisten in den real-existierenden Kirchen arbeiteten, um diese zu verändern. Dort kämpften sie gegen ihre aktuelle Verfasstheit und konfrontierten die Gemeinden und Pfarrer mit dem, was der BRSD als tatsächliche christliche Grundlagen und Glaubensinhalte definierte. Der tiefe Kontrast zwischen Wort und Tat, zwischen dem Auftrag der Kirche und ihrer konkreten Gestalt und Praxis motivierte den BRSD zum Handeln. In der bisherigen Literatur ist der BRSD fast immer auf seine politische Funktion in der Kirche wahrgenommen und reduziert worden. Diese Klassifizierung geht allerdings am "Proprium" des BRSD vorbei, der sich, wie es exemplarisch Emil Fuchs ausdrückte, "in aller erster Linie \'als\' eine evangelische Bewegung" verstand, "die vergessene Grundwahrheiten des Evangeliums, z.b. die vom Kommen des Reiches Gottes ... ins Bewusstsein der Christenheit rücken" wollte.9 Sie waren keine Christen, die Bündnispartner sozialistischer Kräfte wurden, sondern Sozialisten aus christlichem Glauben.

In der ev. Kirche trafen sie auf ein Bürgertum, das kaisertreu und reaktionär bis auf die Knochen war und der Republik feindlich gegenüber auftrat Hier erschien der BRSD geradezu als Agentur der proletarischen Revolution in der Kirche, die im Parteiauftrag die Kirche übernehmen sollte. Gegen sie formierte sich eine breite Einheitsfront zur Bewahrung der deutschnationalen Hegemonie in der Kirche. Im Ergebnis war die ev. Kirche bereits vor dem 30.1.1933 eine willige Beute der Faschisten.

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VII. Theologie der religiösen Sozialisten

Der BRSD war keine theologische Richtungsorganisation im Sinne einer ausgeprägten und einheitlichen "Schule". Theologie verstanden als akademische Theologie spielte für seine Arbeit kaum eine Rolle. Wesentlich waren die beiden theologischen Traditionslinien, die ihn bestimmten. Dies waren zum einen die sozialen Bestrebungen des religiösen Liberalismus, die sich im Evangelisch-Sozialen Kongress manifestierten und zum anderen die Reich-Gottes-Botschaft Christoph Blumhardts. Eine besondere "Theologie des religiösen Sozialismus" bestand nicht und wurde auch nicht angestrebt. Wenn in der heutigen wissenschaftlichen Literatur die Theologie von Leonhard Ragaz als Paradigma der "religiös-sozialistischen Theologie" dargestellt wird, geht diese Wertung am deutschen Beispiel des BRSD vorbei. Es gab einen "ragazistischen" Flügel, wie es barthianische Tendenzen gab, Lutheraner koexistierten mit Reformierten, "Ultra-Liberale" mit "Orthodoxen". Was sie einte war das Ernstmachen mit der Friedensbotschaft des Evangeliums, ihr gemeinsamer Bezugspunkt die Botschaft Jesu von Gottes kommendem Reich. Diesem Ziel versuchten sie durch Predigt und Tun zu entsprechen.

Bei aller Mangelhaftigkeit in der theologischen Begründung ist erstaunlich, daß die Theologen und Laien des BRSD in ihren grundsätzlichen Optionen und in der täglichen Praxis eine "Theologie der Befreiung" entwickelten und lebten, die fünfzig Jahre später, mit dem Umweg über Lateinamerika und in veränderter Form, Einzug in Teile der Kirchen hielt.

Theologische Fragen, die heute wieder auf der Tagesordnung stehen, wie Militärseelsorge und schulischer Religionsunterricht, beschäftigten den BRSD bereits in der Weimarer Republik. Seine Gründe, beides abzulehnen, tauchen wieder in den Debatten auf, wobei die große Mehrheit derjenigen, die diese theologischen Argumentationen verwenden, entrüstet protestieren würde, wenn jemand ihnen vorhielte, Argumentationen religiöser Sozialisten zu verwenden.

Konstitutiv für den Glauben religiöser Sozialisten war das Verständnis des Evangeliums als einer Friedensbotschaft. Gegen das "Christusbild der Nationalisten"10 vertrat der BRSD den "Welt-Heiland des Evangeliums." Der führende Berliner religiös-sozialistische Pfarrer Hans Francke formulierte 1930 die Gründe für die Ablehnung der Militärpfarrer.

"Hat ein Soldat wirklich einmal \'religiöses Verlangen\', warum sucht er sich seinen Platz nicht in den vielen, zivilen, \'gewöhnlichen\' Gottesdiensten, die jedermann offen stehen? ... Mit demselben Recht, mit dem das Militär Extrageistliche für sich beansprucht, besondere Seelsorge und Gottesdienste, könnten dies andere Berufsstände doch auch tun. Manche vielleicht mit sehr viel größerem Recht. Man denke an den Stand der Bergarbeiter, Krankenpfleger, Lehrer usw. ... Darum fort mit dem Luxus einer unmotivierten Kirchlichkeit an einer Stelle, wo sie am allerwenigsten hingehört."11

Der BRSD trat für Trennung von Staat und Kirche ein und blieb mit dieser Position in den Kirchen allein.

"Für die Kirche ist es eine Schmach gewesen, mit dem Staat so verkuppelt gewesen zu sein, daß sie ihm allerhand Vorteile verdankte. ... Gott sei Dank, daß wir auf dem Wege sind, die Verbindung mit dem Staat zu lösen"12.

Auf dieser Folie ist es konsequent, daß diese erneuerte und aus ihrer staatlichen Abhängigkeit befreite Kirche ihre Angelegenheiten selbst ordnet.

"Wünschen die Teile unseres Volkes, die christlich-gläubig oder religiös sind, daß ihre Kinder von Jugend auf religiös beeinflusst werden, ... so müssen diese Volksteile von sich aus dafür sorgen, daß den Kindern Evangeliumslehre und christlicher Lebensgeist dargeboten werde. Sie mögen dafür Andachtsstunden ... einrichten, in denen die Kinder spüren und erfahren, daß es neben der Sphäre der allgemeinen menschlichen Gesellschaft, wie sie der Staat verkörpert, noch eine andere, die religiöse Sphäre, gibt."13

Für die Arbeit im Proletariat entwickelte der BRSD eine spezielle Musik- und Feierkultur, die sich aus den beiden Strängen "Kirche" und "Arbeiterbewegung" bildete. Traditionelle Formen der Arbeiterkultur, wie z.b. die "Sozialistischen Feierstunden" wurden ihres atheistischen Inhalts entkleidet und mit religiösen Inhalten "angereichert", so daß eine eigenständige "religiös-sozialistische Liturgik" entstand. Im Mittelpunkt dieser Kulturtätigkeit stand der "Neue Mensch", der der Träger des künftigen Sozialismus sein sollte. In dieser Hinsicht war er originärer Teil der Arbeiterkulturbewegung.

Die "Friedensgottesdienste", die der BRSD reichsweit v.a. in der Adventszeit veranstaltete, haben ihre Fortsetzung in Tausenden von Gottesdiensten der kirchlichen Friedensbewegung gefunden. Am Sonntag vor dem 1. Mai fanden Maifeier-Gottesdienste statt. Heutige Gottesdienste in umkämpften Betrieben stehen in der Tradition der Maifeier- und Proletarier-Gottesdienste des BRSD. Auch hier haben Theologinnen und Theologen Jahrzehnte später, fast immer unbewusst, an Vorarbeiten religiöser Sozialisten angeknüpft.

Der BRSD war im 20. Jahrhundert bahnbrechend für eine kirchliche Arbeit in und mit der Arbeiterschaft.

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VIII. BRSD und Arbeiterbewegung

1. Der BRSD war ein Versuch, in der Arbeiterbewegung die unterstellte und von den Freidenkern permanent postulierte notwendige Zusammengehörigkeit von Marxismus und Atheismus aufzubrechen ("Der Atheismus von Marx und Engels ist ihre Privatangelegenheit", so ein im BRSD gern gebrauchter Satz) und die sozialistische Option dadurch für religiöse Angehörige der Arbeiterschaft und der Zwischenschichten attraktiv und gangbar zu machen!

2. Dieser Aufgabenstellung gemäß arbeiteten die BRSD-Mitglieder in den Organisationen der Arbeiterbewegung wie SPD und Gewerkschaften mit, in denen sie z.t. durchaus Einfluß besaßen. So waren in mehreren Landtagen BRSD-Mitglieder SPD-Abgeordnete und auch im Gewerkschaftsbereich waren sie relevant vertreten. Zu nennen ist hier Bernhard Göring, Reichsvorstandsmitglied des BRSD und persönlicher Referent von Siegfried Aufhäuser, des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der freien Angestelltenverbände. Im einigen SPD-Bezirks- und Landesvorständen BRSD-Mitglieder Funktionen inne.

3. Es gab auch BRSD-Mitglieder in der KPD, die allerdings die Zugehörigkeit ihrer Mitglieder zum BRSD untersagte und häufig BRSD-Mitglieder ausschloss. Peter Maslowski, der in der KPD für Kirchen- und Freidenkerpolitik zuständig war, führte in ihrem theoretischen Organ aus, dass "jedem in der KPD organisierten über kurz oder lang der Marxismus-Leninismus so begreiflich gemacht werden muss, daß er mit allen religiösen Überbleibseln bei sich selbst aufräumt, also auch aus der Kirche austritt".14 Die religiösen Sozialisten waren bei dieser Aufgabe eindeutige Gegner, denn sie "leisten ... ganz gewöhnliche Zutreiberdienste für die Religion, sie jagen systematisch die von der Religion sich fortentwickelnden Arbeiter wieder in die religiöse Verdummung zurück".15

4. In der Arbeiterbewegung ging es um die Akzeptanz von religiösen Mitgliedern und Mitstreitern. Dies bedeutete die Weltanschauungsfreiheit in und von SPD und KPD, die es gläubigen Angehörigen christlicher bzw. jüdischer Religionsgemeinschaften erst ermöglichte, dort einen Platz zu bekommen. In Berlin und in der Mehrheit der SPD-Gliederungen musste der BRSD die Erfahrung machen, daß er bestenfalls geduldet war. Selbst der Kampf des BRSD gegen die Konfessionsschulen und für die völlige Trennung von Kirche und Staat konnte dieses prinzipielle Misstrauen nicht überwinden.

5. Der BRSD war für die sozialdemokratisch orientierten "Freien Gewerkschaften" von großem Interesse, da sich religiöse Sozialistinnen und Sozialisten im Gegensatz zu den "Ev. Arbeitervereinen" nicht in den "Christlich-nationalen" Gewerkschaften organisierten, sondern in den "Freien Gewerkschaften" und somit den Nachweis führten, daß diese "weltanschaulich neutral" und für "christliche Arbeiterinnen und Arbeiter" akzeptabel waren. Insofern stand der BRSD an der Wiege der Einheitsgewerkschaften. Auch das nach 1945 gewandelte Verhältnis der Evangelischen Kirche zur Arbeitswelt und zur Arbeiterbewegung konnte an den Vorarbeiten religiöser Sozialisten anknüpfen.

6. Zwei BRSD-Positionen aus der Weimarer Zeit:

a) 1927 "Richtlinien für den Landesverband Preußen. [einstimmige Annahme auf der Landeskonferenz, U.P.]

Der Landesverband Preußen hat, um in seinem Kreise vor einer Verwässerung der religiös sozialistischen Ziele bewahrt zu sein ... folgende Richtlinien auf seiner Tagung festgesetzt:

1. Der Bund religiöser Sozialisten ist eine Gemeinschaft von klassenbewussten Sozialisten, die erkannt haben, daß neben dem wirtschaftlichen und politischen Kampf auch ein Kampf auf dem Gebiete des sittlich-religiösen Lebens notwendig ist, wenn die sozialistische Ordnung Wirklichkeit werden soll. 2. Dieses Bekenntnis zur sozialistischen Kampfgemeinschaft stellt den religiösen Sozialisten in die Klassenfront der sozialistischen Arbeiterschaft. 3. Antimarxistische Propaganda ist vom Boden des Bundes religiöser Sozialisten aus unmöglich. 4. Für den religiösen Sozialisten ist es selbstverständliche Pflicht, den Klassenkampf als einen der Arbeiterschaft von den besitzenden Klassen aufgezwungenen Kampf mitzukämpfen".16

b) Dezember 1930

"Die religiösen Sozialisten Preußens fordern die Landeskirche auf, aus christlicher Verantwortung für das Volksganze vor Regierung und Öffentlichkeit für den sofortigen Erlass von Luxussteuern einzutreten. Fast vier Millionen Arbeitslose haben kaum Wasser und Brot; vierzig Millionen Berufstätige leben kärglich von der Hand in den Mund. Wenige Tausend Großverdiener können sich alles leisten, was die Erde an Kostbarem bietet. .... Und alle Steuern, die diese Kreise treffen sollten, fallen letzten Endes auf die breiten Massen zurück. Empörung und Verzweiflung wachsen an; wenig fehlt, und es ist für jede Reform zu spät: Deutschland steht heute vor Bürgerkrieg und Untergang. In letzter Stunde fordern wir:

Nehmt endlich Steuern vom Überfluss! Nehmt Luxussteuern! Wer Geld genug hat, um Nachtlokale zu besuchen, der muss gezwungen werden, auch zum Bau von Krankenhäusern beizusteuern. Wer Geld genug hat, um Sekt und Austern zu genießen, der muss gezwungen werden, auch zu Kinderspeisungen beizusteuern. ... Wer Geld genug hat, um vielzylindrige Luxusautos zu kaufen, der muss gezwungen werden, auch zum sozialen Ausbau des Massenverkehrswesens beizusteuern. Wer Geld genug hat, um Ansprüche auf übermäßigen Wohnraum zu befriedigen, der muss gezwungen werden, auch zum kommunalen Kleinwohnungsbau beizusteuern ... ."17

7. Erfolgreicher als in der SPD war der BRSD in seiner Arbeit in den sozialen Bewegungen der Weimarer Republik. In der Friedensbewegung war er ein integraler Bestandteil und ein wichtiges Scharnier zu den Kirchen wie auch der Arbeiterbewegung. Es ist beeindruckend, wie viel Funktionsträgerinnen und -träger der Friedensbewegung aus den Organisationen des religiösen Sozialismus kamen. Hier hat die heutige christliche Friedensbewegung (unbekannte) Wurzeln, die weit über die Anti-Atom-Bewegung der Adenauerzeit hinausreichen Ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld war die Anti-Alkohol-Bewegung, in der sich BRSD-Mitglieder in unterschiedlichen Organisationen betätigten und exponierten. Dieser Strang wurde nach 1945 weitergeführt, z.b. durch die Beteiligung des prominenten BRSD-Pfarrers Heinz Kappes bei der Bildung der "Anonymen Alkoholiker", deren sog. "Blaues Buch" er ins Deutsche übersetzte. Auch in der Frauenbewegung waren religiöse Sozialistinnen aktiv, eine Arbeit, die bislang kaum erforscht ist. Der BRSD war als Organisation wie durch seine Mitglieder in praktisch allen relevanten Bereichen der sozialen Bewegungen der Weimarer Republik vertreten und verankert.

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IX.) BRSD und Antifaschismus

Vor 1933 war der BRSD faktisch die einzige in den Kirchen organisierte Kraft, die politisch und theologisch die NSDAP/DC und ihre Vorgänger bekämpfte und dies bereits seit Anfang der 20er Jahre. Zur Reichstagswahl am 7.12. 1924 veröffentlichte er einen "Aufruf" zur Unterstützung der Links-Parteien und gegen "Schwarz-weiß-rot".

"Schwarz-weiß-rot sein, heißt: für den Rassenhass, für die Judenhetze, für die Beseitigung des jüdischen Geistes im Christentum sein, heißt, das alte Testament abschaffen, also gegen die Bibel, für Zerstörung \'sic\' des Christentums sein, im Zeichen des Hakenkreuzes. Das Christentum ist unlöslich mit dem Judentum durch Jesus von Nazareth, durch die großen Propheten, die Führer der Gerechtigkeit, Menschenachtung, Weltreligion verbunden. Hakenkreuz und Wotankult sind Feinde des Christentums".18

Seit 1930 war der Kampf gegen den Faschismus Hauptthema in der BRSD-Presse. Auf dem BRSD-Kongreß 1930 hatte Aurel von Jüchen, ausgehend von den Erfahrungen in Italien, den Faschismus analysiert. Diese Analyse mündete in einer prophetischen Warnung.

"Die religiösen Sozialisten fühlen sich verpflichtet, darauf hinzuweisen, daß durch die faschistisch-nationalsozialistische Propaganda der vorchristliche heidnische Machtstaat, die Vorherrschaft der Gewalttätigen und Selbstherrlichen wieder aufgerichtet werden soll".19

Die Stellungnahmen des BRSD im Kirchenwahlkampf 1932 nahmen viele der Positionen der Barmer Erklärung von 1934 vorweg. Im zentralen Kirchen-Wahlkampfflugblatt des preußischen BRSD-Landesverbandes vom Oktober 1932 hieß es.

"Was wollen die Faschisten in der Kirche? Sie werden zwar versuchen, im Wahlkampf ihr Interesse an der Kirche religiös zu begründen, in Wahrheit aber wollen sie ganz etwas anderes. Sie werden vom Evangelium reden, aber sie meinen damit ihr eigenes Evangelium des Rassenhochmuts, der brutalen Vergewaltigung jeder anderen Meinung, der Verherrlichung des Kriegsgeistes und der militärischen Aufrüstung. Sie haben das Kreuz Christi verzerrt zum Hakenkreuz".

Im Abwehrkampf gegen die DC haben sich die BRSD-Mitglieder 1932/33 historische Verdienste erworben. Stellvertretend für eine Kirche, die die Tore weit aufmachte für die DC, verteidigten sie das Evangelium Jesu Christi und das Kreuz gegen das Hakenkreuz, das Symbol des Fanatismus und der Ausrottung. Die evangelischen Kirchen dagegen dienten sich der NSDAP an. Das SDAV schrieb hierzu Ende Februar 1933:

"In einer Verblendung, die ihnen offenbar selbst nicht zum Bewusstsein kommt, stellen sie sich der politisch-kulturellen Reaktion zur Verfügung. ... Erneuerung der Kirche - Zurückführen der Kirche zu einer entschiedenen, wahrhaftigen, evangelischen und christlichen Haltung ist eine der Voraussetzungen wirklicher Zukunft unseres Volkes".20

Aufgrund seiner antifaschistischen Praxis wurde der BRSD 1933 illegalisiert. In der BK und in vielfältigen Widerstandsbereichen arbeiteten religiöse Sozialisten weiter.21 In Kirchengeschichte lernen wir, daß Martin Niemöller der erste Pfarrer im KZ war. Wir haben nicht gelernt, daß die ersten Pfarrer, die 1933 suspendiert wurden, religiöse Sozialisten waren und wir haben auch nicht gelernt, daß die ersten verhafteten Pfarrer Kleinschmidt und Francke hießen und BRSD\'ler waren.

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XI. Religiöse Sozialisten nach 1945

1. Es gibt ein Nachleben religiös-sozialistischen Denkens und Handelns in den Kirchen, auch wenn es als solches kaum benannt und regelmäßig in die Tradition der BK gestellt wird. Im Darmstädter Wort des Bruderrats der Bekennenden Kirche, das am 8. August 1947 formuliert wurde (und an dem Ludwig Metzger, bis 1933 Landesvorsitzender des hessischen BRSD, Synodaler von Barmen 1934, aktiver BK\'ler und nach 1945 Oberbürgermeister von Darmstadt beteiligt war!) heißt es in den Thesen 3 und 5:

Wir sind in die Irre gegangen, als wir begannen, eine "christliche Front" aufzurichten gegenüber notwendig gewordenen Neuordnungen im gesellschaftlichen Leben der Menschen. Das Bündnis der Kirche mit den das Alte und Herkömmliche konservierenden Mächten hat sich schwer an uns gerächt. Wir haben die christliche Freiheit verraten, die uns erlaubt und gebietet, Lebensformen abzuändern, wo das Zusammenleben der Menschen solche Wandlung erfordert. Wir haben das Recht zur Revolution verneint, aber die Entwicklung zur absoluten Diktatur geduldet und gutgeheißen. ...

Wir haben es unterlassen, die Sache der Armen und Entrechteten gemäß dem Evangelium von Gottes kommendem Reich zur Sache der Christenheit zu machen.

2. Nach 1945 hatten die in Deutschland befindlichen BRSD-Mitglieder erst einmal andere Sorgen, als ihre Organisation zu rekonstruieren. Nach dem militärischen Zusammenbruch des Faschismus ging es darum den Faschismus auch in den Köpfen der Bevölkerung zu besiegen. In allen Zonen stellten sich religiöse Sozialisten dem Wiederaufbau der sozialistischen und gewerkschaftlichen Organisationen zur Verfügung. In den Westzonen wurden rel. Sozialisten wie Gotthilf Schenkel; Tassilo Dröscher und Ludwig Metzger Minister in SPD-geführten Regierungen und Abgeordnete in den ersten Landtagen.

In der russischen Zone wurde der letzte BRSD-Reichsvorsitzende vor der Auflösung 1933 Bernhard Göring 2.FDGB-Vorsitzender und Mitglied des SPD-Zentralausschusses und danach der SED. Bruno Theek wurde Bürgermeister in Ludwigslust und Heinrich Schwartze und Erich Hertzsch SED-Landtagsabgeordnete.

Der Funktionärsstamm des BRSD war durch den Faschismus sehr geschrumpft. Wichtige Persönlichkeiten wie z.b. Ernst von Harnack waren ermordet worden, andere waren durch den KZ-Aufenthalt physisch und psychisch angegriffen. Hunderte BRSD-Mitglieder gingen an den Fronten des faschistischen Krieges zugrunde, starben in Gefangenenlagern. Andere kamen im Bombenkrieg um. Zu diesem Aderlass kam, daß nur ein Teil der Emigranten nach Deutschland zurückkehrte. Eine Reihe ehemals führender BRSD-Mitglieder hatte längst im Exilland Fuß gefasst und blieb dort.

3. Als 1946/47 an einer Reihe von Orten mit der Reorganisation religiös-sozialistischer Organisationen begonnen wurde, hatten sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen hierfür bereits wesentlich verschlechtert. - Die 1945 erschütterte Macht des Bürgertums und des Großkapitals in den Westzonen war weitgehend restauriert und die ev. Kirche hatte sich mit Hilfe des BK-Mythos aus ihrer historischen Mitverantwortung für den Sieg des Faschismus gestohlen.

Die in den KZs als entwickelte Einheitshoffnungen ("Hätten wir 1933 zusammengehalten als SPD und KPD, dann wäre Hitler nicht gekommen!") und die Erwartung, daß eine neue, unabhängige sozialistische Partei entstehen würde, die sowohl die Fehler der alten SPD wie der alten KPD aufheben würde, wurden enttäuscht. Dies führte innerhalb der SPD der Westzonen und insbesondere in Berlin, zu einer heute kaum noch vorstellbaren Polarisierung zwischen anti-totalitären Sozialisten auf der einen Seite und Vertretern der Einheitsbestrebungen mir der KPD auf der anderen.

4. In diesem politischen Koordinatensystem mussten sich jetzt die entstehenden religiös-sozialistischen Gruppen verhalten. In Frankfurt bildete sich um Emil Fuchs und Rudolf Jentzsch eine starke Gruppe, die nach der Übersiedelung von Emil Fuchs in die DDR, zum Zentrum des BRSD im Westen wurde. Seit 1948 wurde hier die Zeitschrift "Sonntagsblatt des arbeitenden Volkes" herausgegeben, die 1949 in "Christ und Sozialist" umbenannt wurde. Die Frankfurter Gruppe bestand aus partei-loyalen SPD-Mitgliedern, denen es vor allem um "Heimatrecht für Christen in der SPD" ging. Von Frankfurt ging eine eindeutige Ablehnung der SED und der DDR aus.

5. In Württemberg und anderen Teilen Süddeutschlands schlossen sich pazifistische rel. Sozialisten zusammen, zu nennen ist hier u.a. Eberhard Lempp. Theologisch kamen sie von Ragaz her und in der Befolgung der christlichen Friedensforderung und der Ablehnung des Militärs waren sie kompromisslos.

6. In Berlin bildete sich seit 1946 um Arthur Rackwitz die "Arbeitsgemeinschaft religiöser Sozialisten"(ARS). Sie ARS war zeitweise recht stark und im Gegensatz zu fast allen Gruppen der Westzonen auf die organisatorische Einheit von SPD/KPD orientiert. Ihre Mitglieder gehörten fast ausnahmslos der SED an, was in Berlin von allen kirchlichen Gruppen (inklusive der Barthianer) scharf kritisiert wurde. Da sich Rackwitz und Genossen auch bei der Unterstützung der Bodenreform eindeutig profilierten, gerieten sie in der Berliner Kirche schnell in die Isolation. Die Abstempelung der rel. Sozialisten als "Schwärmer", "DC von links", "Binde-Strich-Theologen" und "Reich-Gottes-Schaffer" ging in Berlin nahtlos weiter. Als Arthur Rackwitz am 11. März 1946 den ersten "Rundbrief" an die überlebenden religiösen Sozialisten versandte, hatte er geschrieben:

"Die äußeren und inneren Voraussetzungen für unsere Arbeit sind jetzt günstiger denn je. Sozialisten und Christen, die sich früher oft so feindselig gegenüber standen, haben sich unter den Verfolgungswellen, die über sie dahingingen, neu kennen gelernt als zwei Bollwerke, die Hitler zwar äußerlich unterdrücken, aber nicht innerlich überwinden konnte".22

Die nächsten Jahre erwiesen, daß diese Hoffnung unbegründet war, denn das gesellschaftliche Klima bestimmte auch das Klima in der Kirche, was vor allem Rackwitz zu spüren bekam.

"Ein Rundfunkvortrag über die Bodenreform, bei dem er darlegte, daß man das 7. Gebot nicht zur Sanktionierung der bestehenden Besitzverhältnisse missbrauchen dürfe, führte zu einer Art Ketzergericht, in dem die Berliner Pfarrer aus der gemeinsamen Zeit in der Bekennenden Kirche ihn als \'Irrlehrer\' verdammten".23

7. In Mecklenburg, Thüringen und Brandenburg entstanden 1946 kleine Gruppen religiöser Sozialisten. Initiatoren waren Karl Kleinschmidt, später lange Jahre im Präsidialrat des KB und Aurel von Jüchen. Sie beendeten ihre Arbeit sämtlich bis Ende der 40er Jahre. Arthur Rackwitz, der die Vereinigung von SPD und KPD zur SED mit großer Freude begrüßt hatte, trat 1952 aus der SED aus.

"Am 25.3. 48 hatte er noch voller Zuversicht an Eberhard Lempp, Pfarrer in Nellingen/Württemberg geschrieben: \'Man darf wirklich der amerikanischen Propaganda gegen den Kommunismus, gegen die SED und gegen Rußland nicht alles glauben, und die \'Emigranten\', von denen Ihr Eure Kenntnisse hauptsächlich habt, sind auch nicht gerade erstklassige, objektive Berichterstatter. Die Pfarrer, die mit Abtransport nach Sibirien bedroht sind, möchte ich gern mal sehen\'.

Ein Jahr später muss sich Rackwitz im Blick auf einen für ihn schmerzhaften Fall korrigieren: Sein Freund Aurel von Jüchen, der in Schwerin die Bruderschaft sozialistischer Theologen wiederbelebt hatte, wird aus der SED ausgeschlossen und 1950 von der NKWD in Abwesenheit zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. (Nach Stalins und Berias Sturz wird er, schwer stimmgeschädigt, aus dem Lager Workuta entlassen.)"24

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XII. BRSD im "kalten Krieg": der kurze Frühling und der lange Winter!

1. Spätestens 1950 endete in der DDR der Versuch, religiös-sozialistische Strukturen aufrecht zu erhalten. Die Staatspartei hatte kein Interesse (mehr?) an derartigen Gruppen. Völlig verkürzt scheinen mir dafür folgende Gründe maßgebend:

a) für das ML-Verständnis der SED waren christliche Sozialisten nur denkbar als Personen mit zurückgebliebenem Bewusstsein, die sich entweder zu Kommunisten weiterzuentwickeln haben, oder zu bekämpfen sind. Diese Unterschiede wurden in der Kulturpolitik manifest. Oft weigerten sich rel. Sozialisten ihren Ansatz sozialistischer und humanistischer Pluralität zugunsten des Alleinanspruches der SED aufzugeben. Wichtige Funktionäre wie der Weimarer Stadtschulrat Reinhard Strecker, wechselten deswegen in den Westen über.

b) in der zunehmenden Frontstellung zwischen Staat und Kirche hatten sich die rel. Sozialisten zu entscheiden. Sie konnten für die Belange der Kirche eintreten, und verhaftet werden wie von Jüchen und andere - sie konnten aber auch das Staatsparteiinteresse gegen die Kirche exekutieren und sich damit in der Kirche jeden Boden entziehen. Als sich in den 50er Jahren der "Bund evangelischer Pfarrer" bildete, gehörten zur Gründungsgeneration viele ehemalige BRSD-Mitglieder.

2. Nach dem Godesberger Programm der SPD von 1959 lösten sich eine Reihe von religiös-sozialistischen Gruppen in der BRD auf - das Heimatrecht von Christen in der SPD war nicht mehr gefährdet.

3. Der Rest-BRSD befolgte als loyale Organisation jeden Linienschwenk der SPD. Als in den 50ern die SPD von ihrer Ablehnung der Wiederaufrüstung abging und Bundeswehr und Nato unterstützte, setzte die Frankfurter Leitungsgruppe diesen Kurs auch im BRSD durch. Der Wortführer der Pazifisten im Bund- Pfarrer Eberhard Lempp- hatte sich in Friedenskomitees exponiert, in denen auch KPD-Mitglieder vertreten waren. Daneben hatten er und seine Freunde in Württemberg und Baden kirchliche Friedensgruppen initiiert. Im Ergebnis wurde Lempp gedrängt, als Vorsitzender des BRSD-Württemberg zurück- und aus der SPD auszutreten. Der BRSD profilierte sich unter seinem über 30 Jahre amtierenden "Präsidenten" Heinrich Schleich in der Kirche als Gegenpol der linken kirchlichen Bruderschaften und als Verfechter der Wiederaufrüstung. Anfang der 70er Jahre bestanden nur noch kleine Restgruppen in Frankfurt und Kassel, die keinerlei Außenaktivitäten entfalteten.

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XIII. Religiöse Sozialisten heute

Voneinander unabhängig hatten ein StudentInnenkreis in Bielefeld-Bethel um Reinhard Gaede und ein Kreis der SMD-Bochum um Prof.Günter Ewald den religiösen Sozialismus entdeckt, z.T. auf dem Umweg über die Schweizer rel. Sozialisten. 1976 nahmen sie Kontakt auf mit der Frankfurter Restgruppe, die mittlerweile als "Gemeinschaft für Christentum und Sozialismus" firmierte und eine Reihe von ihnen traten dem Bund bei. 1977 scheiterte der Versuch Heinrich Schleich zu einer Nicht-Wiederwahl zu bewegen und die Bochum/Bielefelder, unterstützt von wenigen Alt-GenossInnen, "putschten" und stimmten einen neuen Vorstand durch. In den folgenden Jahren transformierte sich der BRSD zu einer aktiven Organisation mit Regionalgruppen, Kirchentagsaktivitäten und einer sehr verjüngten Mitgliedschaft.

Es gibt in Deutschland heute mehrere Organisationen, die in der Tradition des religiösen Sozialismus stehen. Dies ist zum einen der BRSD, der heute etwa 200 Mitglieder in einigen regionalen Gruppen hat, vierteljährlich seine Zeitschrift "CuS- Christ und Sozialist/Christin und Sozialistin" im 53. Jahrgang herausgibt und sich links-sozialistisch positioniert. Mittlerweile gehören zum Bund Mitglieder aus allen Bundesländern. Der amtierende Bundessprecher lebt in Thüringen und die Bundessekretärin in Chemnitz.

Der Zusammenbruch des realen Sozialismus hat den Bund weniger getroffen als andere Organisationen. Da alle Arbeit ehrenamtlich und zu 100% mit eigenen Mitteln gemacht wird, konnten und können auch keine Zuwendungen gestrichen werden.

Die 1973 entstandenen "Christen für den Sozialismus" sind sehr klein und in den letzten Jahren kontinuierlich geschrumpft. Ihr Organ "CFS-Korrespondenz" haben sie wegen mangelnder Kräfte eingestellt. Einige Jahre vorher hatten sie das Angebot des BRSD aus beiden Gruppen durch Fusion eine neue Organisation zu entwickeln und die Kräfte zu bündeln, massiv abgelehnt.

Christliche Sozialistinnen und Sozialisten sind immer eingebunden in gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Kräfteverhältnisse und die Schwäche der gesellschaftlichen Linken korrespondiert mit der Schwäche der kirchlichen Linken Wer heute in der BRD christlicher Sozialist ist, kommt sich allmählich vor wie ein politischer Geisterfahrer. Können eine Handvoll Leute Recht haben- wider alle anderen Millionen?

Die Dissertation des Verf. "Der Bund der religiösen Sozialisten in Berlin von 1919 – 1933", erschienen im Peter-Lang-Verlag Bern-Frankfurt 1995. 696 S. ist beim Autor erhältlich. Kontakt: Dr. Ulrich Peter, Fechnerstr.18 10717 Berlin, Tel/FAX privat: 030/861 20 34.

Dr. Ulrich Peter,. Ev.Theologe /Diplom-Pädagoge. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Berliner und Westfälischen Kirchengeschichte, zur Geschichte des religiösen Sozialismus und zur Wirtschafts- und Sozialpolitik.


Anmerkungen

  1. Dieser Aufsatz fasst Ergebnisse zusammen, die ich v.a. in den folgenden Publikationen dargestellt und nachgewiesen habe:
    1. Reinhard Strecker (1876 - 1954). Ein religiöser Sozialist im gottlosen Leipzig. In: Michael Rudloff/Mike Schmeitzner (Hg.). "Solche Schädlinge gibt es auch in Leipzig". Sozialdemokraten und die SED. Bern-Frankfurt1997.
    2. Der "Bund der religiösen Sozialisten" (BRSD) in Neukölln. In: Bezirksamt Neukölln und Ev. Kirchenkreis Neukölln (Hg.) Immer wieder Fremde. Kirchengeschichte zwischen Herrschaftstreue, Glaubensanspruch und Menschlichkeit. Berlin 1994. .
    3. "Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit". Hans Francke und die Gruppe der Religiösen Sozialisten in der Gemeinde Heilig-Kreuz zur Zeit der Weimarer Republik. In: Georg Uehlein (Hg.) Kreuz und Pickelhaube. Großstädtische Gesellschaft und Kirche zwischen 1850 und 1945 am Beispiel der Heilig-Kreuz-Gemeinde Berlin. Berlin 1995.
    4. Der Bund der religiösen Sozialisten in Berlin von 1919 - 1933. (Diss.) Peter-Lang-Verlag Bern-Frankfurt 1995.
    5. "Ich wollte die Arbeiter für Christus gewinnen". Pfarrer Glauert und die religiösen Sozialisten in der Evangelischen Kirchengemeinde Gladbeck. In: Stadtarchiv Gladbeck (Hg.) Beiträge zur Gladbecker Geschichte, Heft 6/7. Gladbeck 1997.
    6. "Christuskreuz und Rote Fahne: Die religiösen Sozialisten in Westfalen 1919 - 1933, in: W. Belitz/G.Brakelmann/N.Friedrich (Hg.) Aufbruch in soziale Verantwortung. Waltrop 1998.
    7. Eine Regionalstudie zur Geschichte des BRSD in Westfalen und Lippe. "Christuskreuz und Rote Fahne: Die religiösen Sozialisten in Westfalen 1919 – 1933" im Umfang von 350 S. erscheint Ende 2001.
  2. Zeitschrift für Religion und Sozialismus. Theoretische Zwei-Monats-Zeitschrift des BRSD von 1928 – 1933.
  3. So der Aufsatz-Titel Peter Bollhagens in Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Heft 3/1959 auf den Seiten 412 - 431. Er entlarvte darin den "arbeiterfeindlichen und antisozialistischen Charakter des religiösen Sozialismus" (S.431) und forderte konsequenterweise "seine bewusste Ablehnung und Liquidierung in der Arbeiterbewegung".(ibid.)
  4. Sonntagsblatt des arbeitenden Volkes (Wochenzeitung des BRSD von 1919 – 1933), Nr. 33/1928. Unterstreichung U.P. Im folgenden als SDAV abgekürzt.
  5. Wie die Namen recherchiert wurden, habe ich in meinen Publikationen expliziert. In meinen Dateien habe ich derzeit (Oktober 2000) Angaben über ca. 2100 BRSD-Mitglieder, die ich laufend erweitere.
  6. Dort S.259.
  7. Hierzu meine Darstellung der Reichs-Bruderschaft in: "Der Bund der religiösen Sozialisten in Berlin von 1919 bis 1933", S. 346 ff.
  8. Text mit allen Unterzeichnern bei Kurt R. Grossmann, "Deutsche Juden auf der Linken", in: H. Strauß (Hg.) Festgabe für die Jüdische Gemeinde zu Berlin 25 Jahre nach dem Neubeginn, S. 92.
  9. Die Zitate stammen aus einer Erklärung von Emil Fuchs aus dem Jahr 1932.
  10. So der Titel eines Artikels von Francke im SDAV, Nr. 44/1932.
  11. "Zum Wehretat- Militärseelsorge", in: SDAV, Nr. 33/1930.
  12. Francke im SDAV, Nr. 32/1927.
  13. Francke ibid.
  14. "Zur Religionsfrage", in: Die Internationale, Heft 22 v. 15.11. 1926, S. 699.
  15. ibid.
  16. SDAV, Nr. 48/1927, S. 275.
  17. Christliche Welt, Nr. 7/1931, Sp. 337/38.
  18. Mitteilungsblatt des BRSD Berlin, Nr. 12 v. Dezember 1924. Dieser Text belegt, daß den religiösen Sozialisten Inhalt und Ziele der christentumsfeindlichen Politik der Nazis und Völkischen 8 Jahre vor der Gründung der DC klar war.
  19. "Erklärung des Bundes gegen den Faschismus", in: ZRS 1930, S.311.
  20. "Der Bund religiöser Sozialisten zur Reaktion in der Kirche", in: SDAV, Nr. 7/1933, S.26.
  21. Die Beteiligung der religiösen Sozialisten an Widerstandsaktivitäten wart für eine derart kleine Gruppe erstaunlich groß und vollzog sich in einer beachtlichen Breite. Ich habe diese Aktivitäten erstmals in meiner Dissertation dargestellt.
  22. In: G. Jankowski/ K.Schmidt (Hg.), Arthur Rackwitz - Christ und Sozialist zugleich. Hamburg 1976, S.35.
  23. Jankowski/Schmidt, S. 35.
  24. Jankowski/Schmidt, S.29.
(aus CuS 1-2/2001)
 

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