BRSD

Bund der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands e.V.

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Euro, Dollar und unser Volksbildungs-Projekt in Nicaragua

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Die Wirtschaften Europas und der USA befinden sich im globalen Konkurrenzkampf. Die Konsequenzen hiervon werden zuweilen an eher unerwarteten Stellen sichtbar. Udo Fleige schildert einen Fall, der auch die Arbeit des BRSD betrifft.
 
Seit vielen Jahren unterstützt der BRSD gemeinsam mit anderen Gruppen aus Kirche und Gewerkschaft sowie privaten UnterstützerInnen das Bildungsprojekt von Olivia Alvarez Alvarado und ihrem Team in Matagalpa im Norden Nicaraguas: Die NicaraguanerInnen stellen das Konzept und das Personal, die deutschen UnterstützerInnen das Geld, das aus Spenden stammt sowie dem Erlös eines zweisprachigen Postkarten-Literatur-Kalenders.

Als es die Deutsche Mark noch gab, gab es keine Probleme mit der Überweisung der Spendengelder aus Deutschland über eine US-amerikanische Bank auf das nicaraguanische Dollar-Konto. Doch im Sommer 2002 traten plötzlich Schwierigkeiten auf. Olivia Alvarez schrieb am 21. Juli:
Wir waren sehr beunruhigt wegen der Schwierigkeiten mit dem Geld, das ihr uns schickt.
Nie zuvor hatte es solche Schwierigkeiten gegeben. Während wir noch bei der BANEXPO [-Bank] waren, erhielten wir von euch zwei Überweisungen: mit Datum vom 11. Januar über die Höhe von 2.283,36$. Wir erhielten danach mit Datum vom 15. März 2002 die Summe von 871,68$, und bei diesen beiden Gelegenheiten gab es keine Probleme.
Um das Juliseminar durchführen zu können, erbat ich ein Darlehen bei dem Herrn, der mir jeden Monat die Dollar wechselt. Dieser Mann kennt mich gut und weiß, dass ihr uns nie im Stich gelassen habt; er lieh uns 600,00$.
Was mir Sorgen macht ist, dass ihr womöglich uns nicht mehr helfen könnt, denn die BANEXPO sagte mir heute, dass es keine Probleme gebe, wenn die Unterstützung in Dollar ankommt; wenn ihr sie aber in Euro schickt, sollten wir das Konto lieber von ihrer Bank wegnehmen. Es scheint, dass das europäische Geld Schwierigkeiten hat, in die Länder hineinzukommen, die, wie wir, Satelliten des nordamerikanischen Imperialismus sind. Ich weiß nicht, ob es irgendeine andere Bank in unserem Finanzsystem gibt, die Euro annimmt; aber eigentlich beschäftigt mich bei dieser Erfahrung, die wir gerade machen, vorrangig der Gedanke, dass es für euch sehr aufreibend ist, solche Probleme zu bekommen, um uns zu helfen.
In seinem Buch „Global brutal. Der entfesselte Welthandel, die Armut, der Krieg“, das 2002 im Verlag Zweitausendeins erschienen ist, erklärt Michel Chossudovskay, Professor für Wirtschaftwissenschaften an der Universität Ottawa, die Überweisungsprobleme:
Es geht um die globale Rivalität zwischen zwei konkurrierenden Währungen, Euro und US-Dollar. In Osteuropa, in der ehemaligen Sowjetunion, auf dem Balkan, in Zentralasien, in den Subsaharastaaten und im Nahen Osten konkurrieren Dollar und Euro miteinander um die Kontrolle über die nationalen Währungssysteme und somit über die Wirtschaft der betreffenden Länder selber. Auf dem Balkan und in den baltischen Staaten kontrollieren deutsche Banken und europäische Finanzinteressen die Geldschöpfung und das Kreditwesen durch die Anbindung der nationalen Währungen an den Euro.
„Der Euro dominiert bereits das »deutsche Hinterland«: Osteuropa, die baltischen Staaten und den Balkan, während der US-Dollar im Kaukasus und Zentralasien die Oberhand hat. Und mit Ausnahme der Ukraine ist auch in den Ländern des GUUAM-Abkommens der Dollar zumeist stärker als der Euro.“
Zur Erläuterung: Das GUUAM-Abkommen wurde im April 1999 am Rande der Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der NATO in Washington unterzeichnet. Die Staatschefs Georgiens, der Ukraine, Usbekistans, Aserbaidschans und Moldawiens unterschrieben diesen regionalen militärischen Bündnisvertrag, dessen Geltungsbereich die strategisch wichtige Öl- und Gasregion um das Kaspische Meer umfasst. Der GUUAM-Vertrag „zielt darauf ab, die GUS [Gemeinschaft unabhängiger Staaten, Nachfolgebündnis der UdSSR] weiter zu zerstückeln, [und] im Dienste britisch-amerikanischer Erdölinteressen Russland von den Öl- und Gasvorkommen der kaspischen Region auszuschließen und Moskau politisch zu isolieren.“
(Vgl. auch CuS Heft 1-2 / 2002 Seite 27ff: Die falsche Fährte)

Die Dollarisierung der nationalen Währungen, schreibt Chossudowski, ist fester Bestandteil der US-Strategie. Wenn es gelänge, in diesem riesigen Gebiet zwischen Mittelmeer und chinesischer Westgrenze den Dollar durchzusetzen, wäre die Vorherrschaft des amerikanischen Notenbanksystems hier perfekt. Diese wirtschaftsimperialistischen Bestrebungen werden von der zunehmenden Militarisierung der eurasischen Region nach den Anschlägen vom 11. September 2001 unterstützt

Die Rivalität um die Währungsoberhoheit betrifft seit der Einführung des Euro offenbar auch Mittelamerika:
„Es scheint, dass das europäische Geld Schwierigkeiten hat, in die Länder hineinzukommen, die, wie wir, Satelliten des nordamerikanischen Imperialismus sind.“
(aus CuS 3-4/2002)
 

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