Also doch wieder kämpfen? Ja, kämpfen und zwar einen bittern, schweren, harten Kampf kämpfen. Keinen Kampf mit Kanone und Maschinengewehr, Kriegsschiff und Militärluftschiff, aber einen Kampf gegen Kanone und Maschinengewehr, Kriegsschiff und Militärluftschiff. Und ich glaube, daß der noch der schwerere sein wird; denn das sind die Götter geworden, denen die Völker ihre Geschicke anvertraut haben, und sie angreifen, heißt heilige Güter angreifen.

Das Problem der Probleme

Die Frage, an der gegenwärtig unter uns Sozialisten die Geister sich scheiden, ist die nach dem Verhältnis von Sozialismus und Gewalt. [...] Von welcher Seite her wir die heute brennenden Probleme des Sozialismus auffassen mögen, überall stoßen wir zuletzt auf dieses Zentralproblem, dieses Problem der Probleme. Es ist, wie wir alle wissen, auch der Kern der Bolschewismusfrage. Dieses Zentralproblem des Sozialismus aber ist heute wohl das der ganzen Kultur. Dass es im Sozialismus seinen Brennpunkt findet, zeigt, wie dieser nun eben selbst das Zentrum einer neuen Kultur geworden ist. [...]

Es gibt seit dem Zusammenbruch 1918 überall in Deutschland religiöse Sozialisten. Ganz unabhängig sind sie zur selben Zeit, fast mit denselben Worten und Methoden in die Öffentlichkeit getreten. Das ist ein Zeichen dafür, dass die religiös-sozialistische Bewegung nichts künstlich Gemachtes ist, sondern eine notwendige Bewegung, die sich durchsetzen konnte, als die alten Gewalten zusammenbrachen.

In steigendem Maße hat sich die öffentliche Meinung mit den religiösen Sozialisten beschäftigt, und der Kreis der religiösen Sozialisten, der seit 1926 in einem »Bund der religiösen Sozialisten« vereinigt ist, hat sich ständig vergrößert. Aber auch die Gegnerschaft der jungen Bewegung ist gewachsen und sucht unsere Arbeit und unseren Kampf zu hindern. Weithin herrscht Unklarheit und Voreingenommenheit gegen den Bund und seine Ziele. Es ist darum notwendig, in Kürze zu sagen, wer die religiösen Sozialisten sind und was sie wollen.

Jeder Sozialismus, dessen Grenze enger ist als Gott und der Mensch, ist uns zu wenig (Leonhard Ragaz)

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Religiöser Sozialismus kann nicht Verknüpfung von Religion und Sozialismus bedeuten, dergestalt, dass jeder seiner beiden Bestandteile auch unabhängig vom anderen, wenn nicht sein Genügen, so doch sein selbständiges Leben finden könnte und die beiden nur eben einen Vertrag geschlossen hätten, um ihre Selbständigkeiten zu einer des gemeinsamen Seins und Wirkens zusammenzufügen. Religiöser Sozialismus kann vielmehr nur bedeuten, dass Religion und Sozialismus wesensmäßig aufeinander angewiesen sind, dass jedes von beiden zur Erfüllung und Vollendung des eigenen Wesens des Bundes mit dem andern bedarf.

Die der Kirche aufgetragene Verkündigung der Frohbotschaft von Christus und seinem Reich nötigt uns, zu fordern 1. Die Lösung der Kirche aus allen Bindungen an staatliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Mächte (vor allem an politische Parteien). 2. Die Geltendmachung der Botschaft von der Bruderschaft aller Menschen als Richtlinie für die Regelung der Beziehungen zwischen den Volksklassen und Völkern. Mit dem Glauben an das kommende Reich Gottes erscheint uns jede Billigung oder Förderung derjenigen Entwicklungen unseres wirtschaftlichen, sozialen und internationalen Lebens unvereinbar, die dem Gedanken der Bruderschaft aller Menschen ins Gesicht schlagen. Wir fordern daher Kampf der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und jeglichem Mammonismus, sowie Kampf aller Gewaltverherrlichung, also auch dem Kriege!

Christliche Männer und Frauen, ihr müßt sozialistisch wählen!

Am 14. September sind die Wahlen zum Deutschen Reichstag.

Auch die christliche werktätige Bevölkerung muß sich entscheiden, welche Männer sie wählen, welcher Partei sie ihre Stimmen geben will.

Wahlbeteiligung ist Pflicht für jeden Christen, denn auch er ist verantwortlich am Schicksal des Volksganzen, in dem er lebt.

Ein Wort der religiös‑sozialistischen Internationale über Nationalismus und Faschismus an die europäische Christenheit.

Als Vertreter einer Bewegung, zu deren Zielen die Neuordnung der Gesellschaft im Geiste Christi und aus den Kräften des Reiches Gottes gehört, fühlen wir uns durch die steigende Welle des Nationalismus und Faschismus in ihren verschiedenen Formen und die dadurch vermehrte Gefahr des Bürgerkrieges und Völkerkrieges tief beunruhigt und in unserem Gewissen verpflichtet, darüber ein Wort der Mahnung und Bitte besonders an die christlichen Kreise zu richten.

(1) Die Formulierung des Themas dieses Abends »Christuskreuz, nicht Hakenkreuz«, ist bewußt gewählt‚ um von vornherein keinen Zweifel darüber zu lassen, daß nach unserer Auffassung die Bewegung und die Weltanschauung, deren Symbol das Hakenkreuz geworden ist, mit der Welt- und Lebensanschauung, deren Symbol das Kreuz Christi ist, mit dem Christentum nichts zu tun hat.

Die Nationalsozialisten sind anderer Meinung; sie behaupten nicht nur in ihren öffentlichen Veranstaltungen, sondern auch in ihrer Presse und sogar in den programmatischen Erklärungen, daß ihre Partei sich zum positiven Christentum bekenne, ja, daß die Nationalsozialisten die eigentlichen Christen unserer Zeit seien! Da diese Behauptung der Nationalsozialisten und die zu ihrer Erhärtung versuchten Beweisführungen eine direkte Gefahr der Verzerrung des christlichen Glaubens, christlicher Lebens- und Weltgestaltung darstellen, so sollte man eigentlich annehmen, daß die christlichen Kirchen als die berufenen Bewahrerinnen der christlichen Wahrheit sich der nationalsozialistischen Propaganda entgegen stemmen würden.

Aber abgesehen von den recht erfreulichen Absagen ein­zel­ner katholischer Pfarrer und einzelner Bischöfe‚ so vor allem des Bischofs von Mainz und Augsburg, geschieht nichts, um der weltanschaulichen Aushöhlung des Christentums durch die Nationalsozialisten entgegenzutreten.

Brüder und Kameraden! In dieser Stunde steht die gesamte deutsche Wehrmacht, stehen Millionen deutscher Männer und Frauen unter dem Zeichen des Kreuzes versammelt, um in einem Feldgottesdienst den Segen des Himmels für ihr Vaterland und den heute zusammengetretenen Reichstag zu erleben. Auch wir reihen uns diesen Millionen an und sammeln uns anbetend im Aufblick zum Kreuz unter das Wort der Heiligen Schrift: „Das Lamm, das erwürget ist, ist würdig zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis.“ Gott und unserem Erlöser die Ehre, das muß der Grundton sein, der sich durch unsere Feier hindurchzieht, wenn sein Segen auf unserem Vaterlande ruhen soll. Gott! Jesus Christus! Wissen wir, was wir mit diesem Namen aussprechen? Wo ist Gott? Nur im Leben und in der Wirklichkeit ist er da, als der Herr all unseren Tuns und Lassens – oder ist er nicht da. Gott aber ist Liebe. Nur wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Er sagt uns: Wer seinen Bruder haßt, der ist ein Totschläger. Darum – wo Haß ist, Haß von Mensch zu Mensch oder Haß von Volk zu Volk – da ist Gott nicht, und wenn sein Name immerfort auf aller Munde wäre!

[...] Und noch einen dritten Ausweg bereiten die Nazis vor: Sie suchen im deutschen Volk unterzutauchen, damit so viele von ihnen wie möglich der Vernichtung entgehen. Sie tun das nicht, um sich selbst zu retten, sondern um das Gift, mit dem sie Deutschland ruiniert haben, lebendig zu halten und jedes neue Deutschland damit zu vergiften. Wenn ein Körper schwach ist, genügt das Überleben weniger Giftträger, um einen neuen Krankheitsausbruch zu erzeugen. Hier liegt vielleicht die größte Gefahr für die deutsche Zukunft.

- Thesen -

1. Was sagt einer, der von sich sagt: »Ich bin Sozialist«?

1.1. Ein Sozialist hält eine bessere Gesellschaft, als es die gegenwärtige ist, für möglich und für nötig.

1.2. Mit »besserer Gesellschaft« sind dabei nicht nur Verbesserungen innerhalb der bestehenden Gesellschaftsordnung gemeint, sondern eine gegenüber der bestehenden Gesellschaft in grundlegenden Strukturen veränderte Gesellschaft. Dass der Sozialist an Verbesserungen innerhalb der bestehenden Gesellschaft mitarbeitet, verbindet ihn mit allen sich sozial verantwortlich wissenden Menschen dieser Gesellschaft zu tätiger Zusammenarbeit; dass er darüber hinaus grundlegende Strukturveränderungen für möglich und nötig hält, unterscheidet ihn von ihnen.