BRSD

Bund der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands e.V.

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Die Frau und der Friede (1915)

Drucken PDF
"Die Frau und der Friede" ist die bekannteste Schrift der schweizer Pazifistin und Feministin Clara Ragaz-Nadig. Clara Ragaz war zeitweilig Vizepräsidentin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF). Mit ihrem friedenspolitischen Engagement beeinflusste sie auch ihren Mann, den religiösen Sozialisten Leonhard Ragaz. Clara Ragaz' Schrift "Die Frau und der Friede" wurde von den Nationalsozialisten im Dritten Reich 1938 verboten. Im folgenden ein kleiner Auszug daraus.

Also doch wieder kämpfen? Ja, kämpfen und zwar einen bittern, schweren, harten Kampf kämpfen. Keinen Kampf mit Kanone und Maschinengewehr, Kriegsschiff und Militärluftschiff, aber einen Kampf gegen Kanone und Maschinengewehr, Kriegsschiff und Militärluftschiff. Und ich glaube, daß der noch der schwerere sein wird; denn das sind die Götter geworden, denen die Völker ihre Geschicke anvertraut haben, und sie angreifen, heißt heilige Güter angreifen.

Aber noch gegen andere Götter müssen wir kämpfen: gegen den Staat, der um seiner selbst willen da ist, für einen Staat, der um der Menschen willen da ist; gegen einen Staat, in dem eine Handvoll Männer in einem Augenblick diplomatischer Schwierigkeiten über Millionen von Menschen Not und Tod bringen können, für einen Staat, der seine Entscheidungen im Blick auf das Wohl und Wehe dieser Millionen trifft; gegen einen Staat, der seine Beziehungen zu den auswärtigen Mächten in Dunkel und Geheimnis hüllt, für einen Staat, der seinen Angehörigen Einblick gewährt in seine Geschäfte, deren Risiko sie voll mitzutragen haben; gegen einen Staat, der Ehre und Recht dem bloßen Waffenglück anvertraut, für einen Staat, der Ehre und Recht der Weisheit seiner geistigen Führer anvertrauen kann. [...]

Wir müssen um eine Wirtschaftsordnung kämpfen, die Brot und Land, Macht und Recht wieder gleichmäßiger verteilt, und nicht durch Anhäufung ungeheurer Schätze in den Händen einiger Weniger diese Wenigen zu den Beherrschern der Märkte und damit zu den eigentlichen Herrschern der Welt macht.