BRSD

Bund der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands e.V.

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Aktuell

Presse-Erklärung

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Eine Begegnungs - Tagung fand am 17./18. November im ver.di-Institut für Bildung, Medien und Kunst in Lage-Hörste statt.

Der Bund der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands e.V., der seit 80 Jahren besteht, hatte nicht nur seine Mitglieder, sondern auch Vertreter christlicher Partei -Organisationen eingeladen. Für die Arbeitsgemeinschaft Kirche und SPD sprach Eckhard Minthe aus Lauenau am Deister, für die Christinnen und Christen bei den Grünen war Rainer Schäfermeier, MdR aus Oerlinghausen gekommen. Einen weiten Weg hatte Jens-Eberhard Jahn aus Freiberg/Sachsen, der die Bundesarbeitsgemeinschaft der Christen und Christinen bei der Linkspartei/PDS vertrat. Dieter Kimhofer aus Voerde  kam als  Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Christinnen und Christen bei der Linkspartei. PDS. Das Thema der Tagung lautete: So nah und doch so fern! Haben linke Christinnen und Christen eine gemeinsame Basis? Die Teilnehmenden führten Gespräche über ihr Selbstverständnis und ihre Wirkungsmöglichkeiten. Die Moderation hatte Dr. Wieland Zademach, Pfarrer der Ev.-Luth. Kirche in Bayern. Die Teilnehmenden verabredeten trotz der Verschiedenheit der Parteien ein Aktionsbündnis für Zeit-Ansagen im Sinne des prophetischen Wächter - Amts der Christinnen und Christen mit dem Ziel, die Zivilgesellschaft als Subjekt des Handelns wieder zu stärken und soziale und rechtliche Aufgaben des Staates anzumahnen. Sodann erinnerten sie an das Sozialwort beider Kirchen „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“.  Fast 10 Jahre nach dieser Denkschrift sahen die Teilnehmenden die Aufgabe einer Bilanz: Haben die Kirchen sich ihrem Anspruch und ihrer Sendung gemäß weiter entwickelt? Wie müsste heute Gerechtigkeit und Solidarität gestaltet werden? Wie müsste die Kirche in ihren eigenen Strukturen Vorbild sein? Die Teilnehmenden empfahlen dem BRSD und den christlichen Arbeitsgemeinschaften der drei Parteien diesen Fragen nachzugehen und während des Kirchentags 6.-10.6.2007 diese Fragen mit den Teilnehmenden zu erörtern. Auch Gutachten von Fachkundigen sollen eingeholt werden. Der BRSD ist bereit, das Forum für diese Diskussionen zu eröffnen.

 

 

Konferenz "Soziale Globalisierung" ILRS, Oslo 30.6.-1.7.2006

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Reinhard Gaede

 

Konferenz zum Thema ‚Soziale Globalisierung’

Internationaler Bund der Religiösen Sozialisten und Sozialistinnen.

 

Vom 30.6 bis 1.7.2006 tagte die International League of Religious Socialists (ILRS) in Oslo. Den BRSD vertraten Michael Bschorr und ich.

 

Alle drei Jahre werden wir eingeladen. Noch ist die Erinnerung frisch an die Konferenz der ILRS in Luzern / Schweiz, 15.-17.8. 2003 zum Thema ‚Wer ist unser Gott?’ Urs Eigenmanns Hauptreferat ‚Gesellschaftsvertrag und Reich Gottes’ haben die Schweizer ReSos dokumentiert (www.resos.ch, Archiv; Neue Wege 9 / 2003). Mit Hilfe unserer Zeitschrift kommen auch die Erinnerungen wieder an die Konferenz in Budapest, 13.-15.10.2000, die Darius Dunker und ich in Bild und Wort dokumentiert haben (CuS 4/2000, S. 25-31).

In diesem Jahr bestiegen Michael und ich bei schönem Wetter das Flugzeug auf dem Flughafen Frankfurt – Hahn und kamen bei Sonnenschein auf dem Flughafen Oslo –Torp an. Busse brachten uns in zwei Stunden Fahrt dann zur Zentralstation in die City, von dort nach Sömarka, dem Bildungszentrum der Gewerkschaft in Siggerud, schön gelegen an Wiesen, Wald und See.

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Beim Abendessen sahen wir uns wieder  oder lernten uns kennen. 31 Delegierte aus 13 nationalen Organisationen trafen ein, dazu 6 Gäste. Der in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts entstandene Bund war lange Zeit eine westeuropäische Organisation. Auch diesmal kamen die Delegierten aus Österreich, Deutschland, Niederlande, Schweden Finnland, Norwegen, Großbritannien, zum zweiten Mal aber auch aus Ungarn und Italien, zum dritten Mal aus Spanien. Der Zuzug aus Ländern Osteuropas seit 2000 hatte sich aber nicht fortgesetzt. Wieder vertreten waren USA, Dominikanische Republik und Südafrika. Wegen ihrer 100-Jahr-Feier fehlten Delegierte aus der Schweiz. Gäste kamen aus den Philippinen, Costa Rica, Canada, Belgien und Indien. Am Freitagmorgen begann die Konferenz mit Begrüßungen von Jan Rudy Kristensen, Präsident der Kristne Arbeitere, Norwegen und Pär Axel Sahlberg, Präsident der ILRS. „Glaube kann die Welt verändern“, sagte er und sah in Spiritualität und dem Engagement für Menschenrechte eine gemeinsame Grundlage zwischen sozialistischen Christen  und Sozialisten anderer religiöser Bekenntnisse. Er gab zugleich eine Einführung in das Themen-Dokument des Kongresses ‚Social Globalisation’ und in den Bericht ‚faith and politics: The interfaith challenge’ mit Berichten aus Britannien, Finnland, Niederlande, Südafrika,Schweden, USA über Beziehungen und gemeinsame Aktionen von Christen und Menschen eines anderen religiösen Bekenntnisses. Zum Thema ‚Soziale Globalisation’ sprachen dann Vertreter des Südens und Nordens.

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Ronaldo Llamas, Präsident der Bürger Aktion Partei aus den Philippinen (3.v.l.), sprach über das schnelle Wachstum der Wirtschaftskreisläufe Asiens. Asien wird als Finanzplatz wahrgenommen, profitiert mal von ausländischem Kapital, aber erlebt Finanzkrisen, wenn Spekulanten ihr Kapital wieder abziehen. Übersehen werden die sozialen und ökologischen Probleme. Wirtschaftliches Wachstum muss mit Demokratie verbunden sein. Mohamed Dangor von der Kommission für Religiöse Angelegenheiten, Afrikanischer Nationalkongress (ANC), Botschafter Südafrikas im Libanon, forderte ein afrikanisches Parlament und eine afrikanische Bank. Sergio Moya Mena vom Sozialistischen Internationalen Komitee für Lateinamerika, Costa Rica (2.v.l.)erinnerte an die Rechte der Indigenas (Ureinwohner) an Grund und Boden, an die Landlosen, die wie in Brasilien ihre Rechte einfordern. Soziale und politische Linke müssen sich vereinigen. Er würdigte die Befreiungstheologie. Als Vertreter des Nordens sprach Peter Weiderud, Direktor für Internationale Angelegenheiten  beim Weltrat der Kirchen und Präsident von Sveriges Kristna Socialdemokraters Förbund. Broderskapsrörelsen (2.v.r) und Atle Sommerfeldt, Generalsekretär von Kirkens Nödhjelp (3.v.r.). Sie waren sich darin einig, dass Marktwirtschaft einen Rahmen haben muss, der Menschenrechte garantiert und dass die reichen Nationen angesichts des Hungers in der Welt große Verantwortung haben. Eine Diskussion mit den Delegierten schloss sich an. Nachmittags sprachen Vertreter der Weltreligionen zum Thema. Dr. Rannfrid Thelle, Theologin, vom Exekutiv-Komitee, Kristne Arbeiter, Nowegen hatte Vorfahren, die Missionare waren.

 

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Sie sprach über Spannungen, Missverständnisse im Karikaturenstreit. Einen Kampf der Kulturen darf es nicht gegeben. Sie erinnerte auch an säkular geprägte Kulturen und die Theologie Dietrich Bonhoeffers; sie verurteilte die Verletzung der Menschenrechte überall.

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Großen Beifall erhielt Irshad Manji, Vertreterin der islamischen Religion aus Canada.

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Sie ist Autorin der Bücher „The trouble with Islam. A Muslims Call for Reform in Her Faith“ (2002) und „Der Aufbruch. Plädoyer für einen aufgeklärten Islam“ (2003) (vgl. www.muslim-refusenik.com).  Viele Muslime sind der Gewalt im Namen des Islam überdrüssig“, sagte sie. Gegenüber Voruteilen und repressiven Traditionen setzt sie auf die Macht der Fragen. Besonders für die Rechte von Frauen in der islamischen Welt trat sie ein und erinnerte an Chadidscha, die als reiche Kaufmannswitwe ihren Mann selbst wählte, keinen anderen als Mohamed. Zwangsheirat ist also keine genuin islamische Tradition. „Die Gewalt im Namen des Islams ausüben, fügen ihrem Glauben Schaden zu“, sagte sie und forderte Freiheit für die Wahl und Ausübung der Religion.

Als Vertreter des Judentums sprach Andrew Hammer, USA., Generalsekretär ILRS

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In der Tradition der Thora sah er die Aufgabe von Menschen jüdischen Glaubens darin, der Welt Heilung zu bringen. Er erinnerte an das Buch Esra. Jeder muss seine Aufgabe als religiöser Mensch erfüllen. Er gedachte Abrahams, der Vorbild des Glaubens war. Menschen können Söhne und Töchter Abrahams sein, vor Gott gleich, angewiesen aufeinander. Er sah in den Propheten unsere Vorbilder, die wie Jeremia und Amos für die Rechte der Armen eintraten.

In die Reihe dieser Vorträge gehörte auch der Beitrag von Swami Agnivesh, Indien, Vorsitzender der Bandhua Mukti Morcha (Bonded Labour Liberation Front), Vorsitzender des United Nations Trust Fund on Contempory Forms of Slavery, der für die Befreiung von Schuldsklaven, einschließlich der misshandelten und ausgebeuteten Kinder eintritt. Er ist Präsident von Arya Sama, einer monotheistischen religiösen Gemeinschaft in hinduistischer Tradition.

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Er bekannte sich zu Gott als dem Einen Einzigen und sah in den Menschen eine Familie. Dass in einer Familie der Jüngste und Schwächste Hilfe bekommt, sei ein Modell für die Welt, wie sie sein sollte. Seiner Befreiungsfront gelang es in den letzten 20 Jahren 175 000 Schuldsklaven zu befreien. Die ILRS lud er nach Indien ein.

Am Nachmittag tagten Arbeitsgruppen zum Thema. Nachdem wir die ganze Zeit von englischen Worten umgeben waren, hatten wir das Vergnügen, mit Delegierten aus den Niederlanden, Österreich und Skandinavien eine deutschsprachige Gruppe zu bilden. Etwas Zeit blieb noch, im Fernsehen den knappen Sieg der deutschen Elf gegen Argentinien bei der Fußball-Weltmeisterschaft zu sehen. Aus Solidarität mit den Norwegern, die Prohibitionsgesetze erlassen haben – eine Flasche Wein kostet 25 € -  tranken wir anders als die in Deutschland Feiernden Wasser. Die Norwegische Arbeiterpartei und Gewerkschaft lud zum Abendessen und Empfang ein. So hatten wir Zeit für viele wichtige Gespräche.

Am Samstagmorgen stand ‚Mitgliederversammlung’ auf dem Programm. Andrew Hammer gab den Bericht des Generalsekretärs: Für die Vorbereitungen der Konferenz konnte die ILRS mit der Hilfe der norwegischen Arbeiterpartei und Gewerkschaft rechnen. Maria Hevzy war unsere unermüdliche und freundliche Betreuerin. Das Olof Palme Internationale Zentrum hatte die Gäste aus der Ferne hergebracht. Der Kongress vereinte mehr Mitgliedsorganisationen als je zuvor, darunter sieben außerhalb Europas. Es bestehen auch Kontakte zu Gruppen von den Philippinen, Canada, Brasilien, Argentinien, Costa Rica, Israel und Palästina. Da die ILRS assoziiertes Mitglied der Sozialistischen Internationale ist, haben sich hier zahlreiche Kontakte ergeben. Andrew berichtete von den Besuchen in diesen Ländern. Pär Axel Sahlberg als Präsident gab den Bericht des Exekutiv-Komitees. Wir gedachten der verstorbenen Mitglieder Harry Watson (GBR) und Irène Häberle (CH). Die Wahlen am Nachmittag brachten diese Ergebnisse: Pär Axel Sahlberg (Schweden), Präsident (Wiederwahl), Bev Thomas (GBR), Vizepräsidentin (Bestätigung), Cedric Mayson, (Südafrika) Vizepräsident, Andrew Hammer (USA,Wiederwahl), Johan van Workum Schatzmeister (Niederlande, Wiederwahl). Mitglieder des Exekutiv-Komitees wurden Marianne Uri Överland (Norwegen, Wiederwahl), Ricardo Aguado (Spanien), Mathias Lauer (Österreich), Tapio Lampinen (Finnland, Wiederwahl), Judy Deutsch (USA, Wiederwahl), Gyula Hegyi (Ungarn, Wiederwahl). Rechnungsprüfer wurden: Herman Noordegraf (Niederlande, Wiederwahl), Maria Hevzy (Norwegen), NN (Dominikanische Republik).

Der Jahresbeitrag wurde wieder auf 200 € pro Jahr festgelegt. Unser finanzschwacher deutscher Bund hatte für die letzten Jahre einen ermäßigten Beitrag bezahlt und bekommt für diese Periode noch einmal eine Ermäßigung (um die Hälfte; wie immer haben wir Delegierte aus Deutschland anders als üblich alle Reisekosten selbst bezahlt.) Wir hoffen, dass der BRSD  später wieder zahlungskräftig wird. Freilich haben die meisten Mitgliederorganisationen Europas anders als die unabhängigen in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden Unterstützung von ihrer Partei. Alle Mitgliederorganisationen hatten vormittags Berichte zur Lage abgegeben, Michael für uns.

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Verabschiedet wurde eine Resolution: Zehn Wege, die Welt zu verbessern. In Luzern war ein „Memorandum für eine gerechte, ökologische und friedliche Gesellschaft“ „entgegen genommen“ worden mit dem Auftrag, die Thematik weiter zu bearbeiten (Neue Wege 9 / 2203, S. 272 - 274).  Das ist in Oslo geschehen. Allerdings ist das Luzerner Dokument, von einem Seminar in der Schweiz erarbeitet, in der Schärfe seiner Analyse und in der Konkretion seiner Forderungen nach wie vor höchst aktuell. Über die Lage in Israel und Palästina diskutierten wir besorgt, ohne eine Resolution zu verabschieden. Evert Svenson hat sich während seiner 19jährigen Amtszeit als Präsident besonders für Versöhnung und Frieden eingesetzt. Zu Hause hören wir mit Entsetzen von einer weiteren Eskalation kriegerischer Handlungen.

Die Konferenz klang aus mit einer Singe-Runde am Abend.

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Am Sonntag hatten wir bei schönem Wetter noch Zeit, auf einer Rundfahrt von unsern norwegischen Freundinnen und Freunden durch Oslo geführt zu werden. Wir genossen die Aussicht bei der Ski-Schanze Holemenkollen.

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Wir sahen die Skulpturen von Gustav Vigeland (1869-1943) im Park,

 

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aßen in der Nähe des Doms zu Mittag und sahen Rathaus, Schloss, Burg und Hafen.

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Wir schieden in dem Bewusstsein: Es war gut, alte Freunde und Freundinnen wiederzusehen und neue zu gewinnen, Freundinnen und Freunde auf der ganzen Welt, mit denen wir zusammen wirken wollen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

 

                                                                                                               

 

Wer sind die Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten?

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Wer sind die Religiösen Sozialistinnen

und Sozialisten?

 

Allgemeine Zielsetzung

Als Christinnen und Christen sind wir Teil einer Bewegung, die

auf Sozialismus zielt. In unserer Arbeit nehmen wir Bezug auf

biblische Traditionen und Erfahrungen. Wo Menschen für eine

gerechte und humane Gesellschaft kämpfen und sich nach Befreiung

von Unterdrückung sehnen, erkennen wir die Hoffnung

auf das Reich Gottes, von der der Schweizer religiöse Sozialist

Leonhard Ragaz sagte: „Gottes Reich ist nicht von dieser Welt,

aber für diese Welt!“ Wir wissen: Das Reich Gottes ist uns nicht

verfügbar; dennoch ist es unsere Aufgabe, daran mitzuarbeiten.

Den Weg des Sozialismus sehen wir als eine unserer Möglichkeiten,

am Reich Gottes mitzuarbeiten.

Wo wir als ChristInnen innerhalb von Kirchen und Religionsgemeinschaften

leben, achten wir darauf, dass sich in ihnen die

folgenden biblischen und theologischen Impulse durchsetzen

können:

· Option für die Armen (d.h. unter anderem Zuwendung zu den

gesellschaftlich Ausgegrenzten und Hinwendung zum Fremden)

· Bewahrung der Schöpfung

· Gesellschaftliche Arbeit in der Nachfolge Jesu und der Jesusbewegung

Als religiöse SozialistInnen sind wir für alle theologischen Richtungen

offen, die keinen Absolutheitsanspruch erheben und sich

einem rationalen Denken nicht verschließen.

Als religiöse SozialistInnen setzen wir uns ein für eine radikale

und grundsätzliche Veränderung der privatkapitalistischen Gesellschaftsordnung

zu einer sozialistischen Gesellschaft durch

einen Prozess der Solidarisierung, Selbstbestimmung und Vergesellschaftung

ein. Unser kapitalistisches Wirtschafts- und

Gesellschaftssystem ist über Privateigentum an den Produktionsmitteln

und ungezügelte Konkurrenz an Profitmaximierung

und Warenproduktion orientiert. Dadurch wird sie den Bedürfnissen

der Menschen und dem, was sie benötigen, nicht gerecht.

Diese Gesellschaftsordnung produziert Arbeitslosigkeit, Armut,

ökologische Zerrüttung und weltweite Verelendung, selbst bei

gleichzeitig steigenden Profitraten. Ihre periodisch auftretenden

Krisen löst sie durch Problemabwälzung auf die Schwächsten.

Wir sind der Überzeugung, dass der Kapitalismus auch in Zukunft

diese von ihm erzeugten und reproduzierten Probleme

lediglich zu verwalten, nicht aber zu lösen imstande sein wird,

da die Probleme strukturell bedingt sind und systemischen Charakter

haben.

Die Überwindung des Kapitalismus und der Aufbau einer neuen,

sozialistischen Gesellschaftsordnung erfasst die Gesellschaft in

ihrer Gesamtheit. Sie verändert nicht nur das Eigentum an Produktionsmitteln,

sondern betrifft ebenso die Formen und die

Inhalte des menschlichen Zusammenlebens. Der Bereich der

Geschlechterverhältnisse, der Erziehung, der Ausbildung, der

Sozialbezüge, der Stellung im Arbeitsprozess, die Rolle der

Medien und der Kulturindustrie, der Umgang mit der Natur und

ihren Ressourcen sind in der Geschichte der sozialistischen

Bewegung nur unzureichend bedacht worden. Für eine neue

sozialistische Bewegung, zu der wir uns zählen und an deren

Stärkung wir mitarbeiten, sind diese Bereiche zentrale Fragen

und Aufgaben, an denen sich die Legitimation und die Chancen

einer sozialistischen Alternative entscheiden.

Historische Wurzeln

Mit religiöse Sozialistinnen und Sozialisten war und ist immer

gemeint:

· Wir sind als ChristInnen zugleich

SozialistInnen.

· Wir sind dies aus christlichem Glauben heraus, wir warten auf

Gottes kommendes Reich – aber wir warten „tätig“.

· Die Verwirklichung des Liebesgebotes und die Befreiung des

Menschen durch Jesus lassen uns nach sozialistischen Konzeptionen

suchen, in denen die gegenseitige geschwisterliche

Hilfe und die Möglichkeiten zur Selbstentfaltung des einzelnen

Menschen – als Bedingung der Selbstentfaltung aller-

Leitlinien sind.

Der „Frühsozialismus“ brachte eine Vielzahl unterschiedlichster

Modelle und Ansätze hervor, die allesamt eine bessere Gesellschaft

schaffen sollten. Darunter gab es auch eine Strömung,

die von einem Bergpredigt-Christentum ausgehend argumentierte.

In Deutschland ist dieser „Liebeskommunismus“ vor allem

mit der Person des Schneiders und „Handwerker-Kommunisten“

Wilhelm Weitling (1808-1878) verbunden. Weitling vertrat im

jesuanischen Sinne die Gütergemeinschaft und entwarf eine

Verfassung der künftigen kommunistischen Gesellschaft.

Ein bedeutsamer Traditionsstrang ist die breit ausdifferenzierte

Bewegung des Anarchismus. Im Zentrum des Anarchismus, der

von vielen seiner VertreterInnen auch als „libertärer Sozialismus“

definiert wird, steht der sozialistische Freiheitsgedanke

und die Abschaffung des Staates, der als Zwangsgewalt verstanden

wird. Wesentlich sind die Freiheit des Individuums und

seine Assoziation mit anderen. Gerade nach dem Ende der

staatssozialistischen Experimente ist es wichtig, sich der Kritik

des Anarchismus an einer „Verstaatlichung“ des Sozialismus zu

erinnern und die Anfragen nach individueller Freiheit, kommunitärem

Aufbau, Selbstverwaltung und Dezentralisierung aufzunehmen.

Ein pluraler Marxismus, verstanden als Soziologie, d.h. als

Theorie gesellschaftlicher Entwicklungen, ist für uns überaus

nützlich und bei der Beurteilung gesellschaftlicher Vorgänge

unverzichtbar. Im Gegensatz zu denen, die an den Marxismus

glauben und denen, die von uns eine Distanzierung vom Marxismus

verlangen, halten wir an den Errungenschaften von 150

Jahren marxistischer Theorie- und Strategiebildung fest.

Gegenüber der totalitären Ausprägung des Leninismus, die

kenntlich machte, zu welchen fürchterlichen Konsequenzen

Systeme führen können, in denen der Zweck die Mittel heiligt

und in der die bürgerliche Demokratie ersatzlos abgeschafft

wurde, statt sie zu einer sozialistischen Demokratie weiterzuentwickeln,

vertreten wir den Gedanken und das ursprüngliche

Konzept einer sozialistischen Demokratie. Streikrecht, Versammlung-

und Koalitionsfreiheit, Meinungsfreiheit und die

Freiheit der Reise sind kein Luxus, sondern unverzichtbare

Voraussetzungen eines Sozialismus, für den sich Menschen

engagieren können. Auch im Sozialismus wird es weiterhin

einen Streit unterschiedlicher Positionen geben. Diese Positionen

bedürfen ihres organisatorischen Ausdrucks, seien es nun

Parteien oder andere Organisationsformen.

Als 1899 und 1900 mit Christoph Blumhardt, einem Pietisten,

und Paul Göhre, einem Liberalen, unabhängig voneinander zwei

bekanntere evangelische Theologen der SPD beitraten, begann

eine Bewegung zu entstehen, die ihren Ausdruck und ihre Form

im religiösen Sozialismus fand. Von Anfang an kamen religiöse

Sozialistinnen und Sozialisten aus den verschiedensten theologischen

Lagern des jüdisch-christlichen Spektrums. Es gehört zu

den Kennzeichen des religiösen Sozialismus, selbst keine neue

theologische Richtung geschaffen zu haben.

Nach dem 1. Weltkrieg bildeten sich in Baden, Thüringen, im

Rheinland und in Norddeutschland Gruppen religiöser SozialistInnen.

Im Dezember 1919 entstand in Berlin die erste Organisation,

die den Namen Bund der religiösen Sozialisten trug. 1924

schlossen sich diese regionalen Verbände zu einer Arbeitsgemeinschaft

zusammen, und 1926 entstand daraus der Bund der

religiösen Sozialisten Deutschlands (BRSD). Anfang 1933 bestanden

11 Landesverbände mit ca. 25.000 Mitgliedern. An

überregionalen Organen erschienen die Wochenzeitung Sonntagsblatt

des arbeitenden Volkes und die theoretische Zeitschrift

für Religion und Sozialismus.

Der BRSD führte in der Weimarer Republik einen entschiedenen

Kampf gegen Militarismus, Nationalismus und sehr früh

gegen den aufkommenden Faschismus. Dies machte den BRSD

gerade bei der gesellschaftlichen Rechten verhasst und bedeutete

nach dem Beginn der Nazi-Ära sein Ende durch die staatliche

Repression. Nach 1945 entstand der BRSD neu. Die 1946 in

Ostdeutschland entstandenen Regionalgruppen verfielen der

Auflösung, viele ihrer InitiatorInnen flohen in den Westen,

einzelne wurden inhaftiert. Im Westen wurde der Bund im kalten

Krieg zwischen den Machtblöcken zerrieben. In den 1970er

Jahren war nur ein kleiner Rest übrig geblieben, der zusammen

mit ChristInnen aus der StudentInnenbewegung den Bund neu

aufbaute.

Eine weitere Wurzel ist die breite Frauenbewegung der Weimarer

Zeit. Namen wie Minna Cauer, Lydia Stöcker, Hildegard

Wegscheider usw. sind als aktive BRSDlerinnen zu nennen. Der

BRSD hatte unter seinen Mitgliedern sehr viele Frauen, was sich

im Gegensatz zu anderen Organisationen auch in den Funktionen

auswirkte. Arbeiterinnen, Lehrerinnen etc. waren in vielen

Bereichen die Trägerinnen der örtlichen und regionalen Arbeit.

Hauptziele und Perspektiven unserer Arbeit

Der BRSD versteht sich als linke Bündnisorganisation und ist

unabhängig von den Parteien. Wir unterstützen alle Bestrebungen

in den Parteien, die auf soziale Gerechtigkeit, Frieden und

Bewahrung der Schöpfung zielen. Wir sehen für die Zukunft die

Notwendigkeit der Herausbildung eines fortschrittlichen Blocks

über die Parteigrenzen hinweg. Dieser fortschrittliche Block soll

aus einer ökologisch neuorientierten ArbeiterInnenbewegung,

den sozialen Bewegungen und den progressiven Teilen der

Kirchen entstehen. Die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen

und das Verhältnis zu Parteien bestimmt sich durch unsere

Grundauffassung, wie sie in unseren Leitsätzen definiert sind.

Wir fühlen uns mit Gruppen und Bewegungen verbunden, die in

basisdemokratischen Strukturen und in der Tendenz in die gleiche

Richtung arbeiten wie wir. Dazu rechnen wir Friedens-,

Umwelt- und Frauengruppen, Eine-Welt- und globalisierungskritische

Gruppen, Selbstorganisationen von Arbeitslosen und

SozialhilfeempfängerInnen u.v.m. Ebenfalls wollen wir alternative

Netzwerke unterstützen und in ihnen mitarbeiten.

Wir ermuntern unsere Mitglieder, den Schritt zur Organisierung

in ihrer zuständigen DGB-Gewerkschaft zu tun und sich möglichst

aktiv darin zu beteiligen. Dies mit der Absicht, auch im

DGB für die klassischen gewerkschaftlichen Ziele einzutreten:

die Demokratisierung der Wirtschaft, Humanisierung der Arbeitswelt,

Ausweitung der Mitbestimmung und für eine stärker

konfliktorientierte Gewerkschaftspolitik. Wir unterstützen alle

Bestrebungen, die Mitgliedsrechte auszuweiten, den Einfluss der

Basisgliederungen zu stärken und in den Gewerkschaften eine

Kultur des Streites, der Selbstverwaltung und der Gleichberechtigung

der Geschlechter, der Nationalitäten und der Generationen

zu erreichen.

Am biblischen Auftrag der Kirche als Gemeinde der Jesus

Nachfolgenden, wie er uns z.B. in der Bergpredigt entgegentritt,

messen wir das Erscheinungsbild der Kirche in der spätkapitalistischen

Gesellschaft. Wir möchten zu ihrer weiter notwendigen

Erneuerung und Umkehr beitragen. Noch immer stehen viele

ChristInnen gesellschaftlichen Systemen und Parteien nahe, die

unter Berufung auf vorgeblich christliche Werte soziale und

ethnische Ungleichheit oder sogar politische Unterdrückung

befürworten: noch immer finden sich ChristInnen, die unter

Hinweis auf äußere Feinde eine Politik der militärischen Stärke,

der wirtschaftlichen und politischen Abschottung in der „Festung

Europa“, der Rassendiskriminierung und der Privilegiensicherung

betreiben. Wir sehen u.a. unsere Aufgabe darin, in den

Kirchen die Interessen der Unterprivilegierten bei uns und in der

Welt zur Sprache zu bringen, die Ursachen von Armut, Verelendung

und ökologischer Krise zu benennen und für die Überwindung

der kapitalistischen Gesellschaft zu arbeiten. Wir solidarisieren

uns mit allen Bestrebungen in den Kirchen, die bisherige

Rolle der Kirche im Kapitalismus zu überdenken und diese von

einer Volkskirche zu einer Kirche des Volkes weiterzuentwickeln.

Wir orientieren uns am Priestertum aller Gläubigen und

wenden uns gegen eine Pastorenkirche.

Konkretionen

Die folgenden Ausführungen sind auf unsere augenblickliche

Situation bezogen und bedürfen der regelmäßigen Fortschreibung.

Vordringlich ist eine Erweiterung und Festigung unserer Basis,

insbesondere durch folgende Aktivitäten:

· Aufbau von lokalen und regionalen Basisgruppen,

· Arbeit in thematischen Projektgruppen,

· Kooperation mit anderen Gruppen und Mitarbeit in Netzwerken

wie z.B. der „Initiative Kirche von unten“ und dem Attac-

Netzwerk,

· Informationsarbeit durch Tagungen,

· Beteiligung an Evang. Kirchentag und Katholikentag,

· Herausgabe einer Zeitschrift und von Info-Material

· Vertiefung und Präzisierung des Selbstverständnisses und der

Zielsetzungen religiöser SozialistInnen

In Einzelveranstaltungen, Tagungen und gegebenenfalls Freizeiten

suchen wir nach Erneuerung im Glauben. Dabei sollen Umkehr

und persönlicher Glaube immer in ihre politische Tragweite

und Auswirkung eingebunden bleiben. Individuelle Hoffnung

und gesellschaftliche Wirksamkeit auf das Reich Gottes hin

bilden eine Einheit.

Für unsere Arbeit erachten wir als entscheidend, dass die Erfahrungen

der einzelnen im Beruf, in der Ausbildung und in der

kirchlichen wie gesellschaftlichen Praxis in die Gruppe und den

Gesamtbund eingebracht werden. In den BRSD-Gruppen wird

durch Bildungsarbeit, Diskussion und Reflexion versucht, die

gesellschaftliche Wirklichkeit von der religiös-sozialistischen

Sichtweise her zu betrachten und zu verstehen. Die Erfahrungen

der Mitglieder werden hier gebündelt und bilden die Grundlage

politischer und theologischer Stellungnahmen. Wichtig ist die

lebendige Wechselbeziehung von Theorie und Praxis. Richtschnur

ist für uns der Dreischritt der Befreiungstheologie: Sehen

– Urteilen – Handeln.

Im Rahmen unserer Möglichkeiten nehmen wir zu politischen

und theologischen Fragen Stellung. Wir erheben unsere Stimme

dort, wo wir die Überzeugungen und die Werte der Humanität,

des Sozialismus und der Bibel beider Testamente verletzt sehen.

Gegen die herrschende Meinung, die immer noch weitgehend

die Meinung der Herrschenden ist, versuchen wir einen kleinen

Beitrag zur Aufklärung zu leisten.

(Auszug aus den Leitsätzen des BRSD)

Bund der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands

c/o Michael Bschorr, Bobes Feld 14, 33818 Leopoldshöhe

Weitere Informationen im Internet unter www.BRSD.de

 

Willkommen bei den Resos!

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Schön, dass du dich für den Bund der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten interessierst.  In Kürze erscheinen hier wieder ausführliche Informationen über den BRSD. Derzeit finden sich die meisten Beiträge in der Rubrik "Historische Texte", denn der BRSD ist eine Organisation, die schon vor fast 90 Jahren entstanden ist. Natürlich werden hier bald auch wieder mehr Texte zu aktuellen Themen erscheinen.

 


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