
Bei meist bedecktem Himmel und niedrigen Temperaturen beteiligten sich mehr als 130.000 Dauerteilnehmer und täglich mehr als 11.000 Tagesgäste an dem Christentreffen unter dem Leitwort „Damit Ihr Hoffnung habt“.
Beim Abschlussgottesdienst auf der Theresienwiese, an dem 100.000 Gläubige teilnahmen, riefen die beiden Präsidenten des Kirchentages die Christen in Deutschland dazu auf, einen „neuen Aufbruch“ zu wagen, um gemeinsam gesellschaftliche und kirchliche Probleme zu lösen.
Eine gemeinsame Abendmahlsfeier von Katholiken und Protestanten gab es aber wegen theologischer Vorbehalte der katholischen Kirche nicht. Zur Tatsache, dass konfessions-verschiedene Ehepartner nicht gemeinsam die Eucharistie feiern können, unterstrich Alois Glück unter starkem Beifall: „Wir brauchen hier dringend eine Lösung!“ Viele Referenten sowie Reform- und Basisgruppen forderten eine Zulassung des gemeinsamen Abendmahls.

Der Kirchentag stand auch unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals, der die katholische Kirche in den vergangenen Monaten erschüttert hat.
Vor rund 6.000 Zuhörern forderten der Jesuitenpater Klaus Mertes, Leiter des Berliner Canisius-Kollegs, und der katholische Theologe und Psychologe Wunibald Müller unter großem Applaus die Einführung des Frauenpriestertums und die Abschaffung des Zwangszölibats.
Hans Küng, emeritierter Professor für ökumenische Theologie, Tübingen, fakultätsunabhängig, Präsident der von ihm gegründeten Stiftung „Weltethos“ hat eine „zweite Reformation“ gefordert. Sie solle die katholische Kirche grundlegend verändern und „nicht zur erneuten Spaltung, sondern zur Einheit führen“, erklärte er auf dem Ökumenischen Kirchentag. Angesichts der „Welle der Missbrauchsvorwürfe“ sei die katholische Kirche in eine tiefe Vertrauens- und Führungskrise geraten, die sich auch auf evangelische und orthodoxe Glaubensgemeinschaften auswirkte. Zudem nötige ein „autoritäres und unbelehrbares Lehramt“ die Kirchen immer wieder zu neuen Konflikten. Nach Ansicht H. Küngs kann die Kirche nicht bei „mittelalterlichen Regelungen und dogmatischen Formulierungen“ stehen bleiben. H. Küng mahnte eine Orientierung der Kirchen am Lebensweg Jesu an. Die „unerträgliche Diskrepanz“ zwischen dem Lebensmodell Jesu und dem Verhalten kirchlicher Hierarchien müsse beendet werden. So fordere Jesu Leidensgeschichte heute dazu auf, sich für Benachteiligte und mehr Gerechtigkeit in der Welt einzusetzen. Der Geist Jesu motiviere daneben zu einem Handeln in Güte.
Der BRSD war auf der Agora im Themenbereich „Christsein in der offenen Gesellschaft“ vertreten. Neben uns war der Stand der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Am Stand trafen sich alte Bekannte endlich wieder, lernten sich alte und neue Mitglieder kennen. Viele Gespräche wurden geführt. Die Besucher konnten unsere Zeitschrift und die religiös-sozialistische Tradition kennen lernen. Die Vorstandsmitglieder waren intensiv beteiligt und freuten sich gleichzeitig über Unterstützung.
Kontakte zu verwandten Gruppen wurden geknüpft. „Engel brauchen nicht mehr Lohn, wir schon“, so ein Button der kirchlichen Mitarbeitenden bei ver.di.
"Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt" (Markus 10, 25) Das Kamel wurde das Symbol für die gerechte Umverteilung von Reichtum zugunsten der Armen. Das Netzwerk Ökumenischer Kirchentag hatte einen Aufruf dazu veröffentlicht: „Fair teilen statt sozial spalten“ www.oekt-netz.de, der natürlich ganz in unserm Sinne ist.




