Liebe Genossinnen und Genossen von der WASG und PDS!
Sehr geehrte Damen und Herrn!
Zur Vereinigung Ihrer Parteien als Linkspartei senden wir Religiöse Sozialisten Glückwünsche.
Wir begrüßen jede Sammlung der Kräfte für eine Politik, die kritisch dem Kapitalismus gegenübersteht und den Primat der Politik gegenüber den Wirkungen des Marktes einfordert.
Auf dem Kirchentag in Köln 2007 haben wir die gegenwärtige Situation so beschrieben: Das Armutsrisiko ist gestiegen, die Arbeitsverhältnisse sind unsicherer: Hohes Arbeitstempo, Zeitnot, psychische Schäden. Es fehlt die solidarische Sicherung vor gesellschaftlichen Risiken, die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird zu Lasten der Frauen entschieden. Eine ökologisch-soziale Marktwirtschaft mit alternativen Verkehrs- und Energie-Systemen ist nicht klar erkennbar. Vielmehr zeigt sich "die Irrationalität des Finanzkapitalismus" so: "Der Börsenwert steigt, während der Wert der Arbeit fällt." Die Wirtschaft produziert jährlich mehr, aber mit weniger Menschen. 4 Mill. Arbeitslose sind Opfer der Ausgrenzung auf dem Markt. Soziale Dienstleitungen werden "gnadenlos heruntergefahren oder rücksichtslos privatisiert....Millionenfach liegt Arbeit verborgen...Dieser Schatz wird aber nicht gehoben. Lieber finanziert man Arbeitslosigkeit statt Arbeit. Zehntausende Jugendlicher bleiben ohne Ausbildung...Während die einen ohne Arbeit darben, schuften sich die anderen zu Tode." Arbeitszeitverlängerung statt -Verkürzung ist die Regel. "Arbeit ist keine Ware", müsste ein neues Sozialwort sagen. Gegenwärtig wird Arbeit "schamlos" ihrer Rechte und Würde beraubt. "Armut trotz Arbeit - das ist ein Skandal. " Ein Mindestlohngesetz muss das verhindern, Mitbestimmung, Kündigungsschutz und Tarifhoheit müssen gesichert werden. "Prekäre Arbeit", Befristung von Arbeitsverhältnissen schaffen ein "Industrie-Nomadentum", behindern die Lebens-Planung und die Familiengründung. Während die Einkommen und Vermögen der Reichen und die Gewinne der Konzerne geschont werden, werden die persönlichen Risiken wie Krankheit, Pflege, Alter, aber auch die gesellschaftlichen wie Arbeitslosigkeit aus der sozialstaatlichen Solidarität "outgesourct" und privater Vorsorge überlassen.
In der Vergangenheit seit 1919 hat sich Theologie und politisches Handeln der religiösen Sozialisten bewährt im Widerstand gegen Nationalismus, Militarismus und Faschismus und im Streit für mehr Gerechtigkeit und Frieden in der Welt. Viele Anregungen der religiösen Sozialisten und Sozialistinnen sind in der Ökumene und in gesellschaftlichen Initiativen aufgenommen worden, dennoch müssen sie fortgeschrieben werden.
Unsere Zeitschrift CuS. Christin und Sozialistin. Christ und Sozialist. Kreuz und Rose wird getragen von einer kleinen, aber lebendigen Schar von Christinnen und Christen, die darauf achten, dass biblische, theologische Impulse sich durchsetzen: Parteinahme für die Armen, Unterdrückten und an den Rand Gedrängten, Bewahrung der bedrohten Schöpfung, Veränderung der Gesellschaft. Dem christlichen Gebot der Nächstenliebe folgend, in der Hoffnung auf Gottes kommendes Reich, in dem "Gerechtigkeit wohnt" (2.Petr. 3, 13), suchen wir nach sozialistischen Konzeptionen, in denen gegenseitige geschwisterliche
Hilfe und Möglichkeiten der Selbstentfaltung des Einzelnen - als Bedingung der Selbstentfaltung aller Leitlinien sind. "Es gilt, die Ausbeutung der Vielen durch die Wenigen, das Leben der Wenigen auf Kosten der Vielen zu überwinden und eine demokratische Gesellschaft durchzusetzen, in der die Klassengegensätze abgeschafft, die Teilhabe aller am Sagen und Haben durchgesetzt und vernunftgeleitete Planung möglich wird...Zweck, Inhalt und die Art und Weise der gesellschaftlichen Produktion und Verteilung müssen vom grundlegenden Prinzip einer konsequenten Demokratisierung des Wirtschaftslebens
ausgehen. Diese Demokratisierung können wir uns nur als basisdemokratisches Selbstverwaltungsmodell vorstellen." (Aus den Leitsätzen des BRSD)
Der Weiterentwicklung des Modells der Genossenschaften gehört unsere Aufmerksamkeit. Unser Ziel ist die solidarische Gesellschaft, in der die Menschen im Mittelpunkt stehen. Richtschnur unserer gesellschaftlichen Praxis ist das Evangelium und das verheißene Reich Gottes. In der Tradition unserer Bewegung, die seit 1919 / 1926 wirkt, bilden wir -soweit es uns möglich ist - ein Forum für alle Parteien und soziale Bewegungen, die für einen demokratischen Sozialismus offen sind.
Ihrer neu gegründeten Partei wünschen wir deshalb im Interesse unseres Landes viel Erfolg.
Solidarische GrüßeDr. Reinhard Gaede
Vorstandsmitglied des BRSD
Schriftleiter von CuS




