BRSD

Bund der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands e.V.

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Konferenz "Soziale Globalisierung" ILRS, Oslo 30.6.-1.7.2006

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Reinhard Gaede

 

Konferenz zum Thema ‚Soziale Globalisierung’

Internationaler Bund der Religiösen Sozialisten und Sozialistinnen.

 

Vom 30.6 bis 1.7.2006 tagte die International League of Religious Socialists (ILRS) in Oslo. Den BRSD vertraten Michael Bschorr und ich.

 

Alle drei Jahre werden wir eingeladen. Noch ist die Erinnerung frisch an die Konferenz der ILRS in Luzern / Schweiz, 15.-17.8. 2003 zum Thema ‚Wer ist unser Gott?’ Urs Eigenmanns Hauptreferat ‚Gesellschaftsvertrag und Reich Gottes’ haben die Schweizer ReSos dokumentiert (www.resos.ch, Archiv; Neue Wege 9 / 2003). Mit Hilfe unserer Zeitschrift kommen auch die Erinnerungen wieder an die Konferenz in Budapest, 13.-15.10.2000, die Darius Dunker und ich in Bild und Wort dokumentiert haben (CuS 4/2000, S. 25-31).

In diesem Jahr bestiegen Michael und ich bei schönem Wetter das Flugzeug auf dem Flughafen Frankfurt – Hahn und kamen bei Sonnenschein auf dem Flughafen Oslo –Torp an. Busse brachten uns in zwei Stunden Fahrt dann zur Zentralstation in die City, von dort nach Sömarka, dem Bildungszentrum der Gewerkschaft in Siggerud, schön gelegen an Wiesen, Wald und See.

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Beim Abendessen sahen wir uns wieder  oder lernten uns kennen. 31 Delegierte aus 13 nationalen Organisationen trafen ein, dazu 6 Gäste. Der in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts entstandene Bund war lange Zeit eine westeuropäische Organisation. Auch diesmal kamen die Delegierten aus Österreich, Deutschland, Niederlande, Schweden Finnland, Norwegen, Großbritannien, zum zweiten Mal aber auch aus Ungarn und Italien, zum dritten Mal aus Spanien. Der Zuzug aus Ländern Osteuropas seit 2000 hatte sich aber nicht fortgesetzt. Wieder vertreten waren USA, Dominikanische Republik und Südafrika. Wegen ihrer 100-Jahr-Feier fehlten Delegierte aus der Schweiz. Gäste kamen aus den Philippinen, Costa Rica, Canada, Belgien und Indien. Am Freitagmorgen begann die Konferenz mit Begrüßungen von Jan Rudy Kristensen, Präsident der Kristne Arbeitere, Norwegen und Pär Axel Sahlberg, Präsident der ILRS. „Glaube kann die Welt verändern“, sagte er und sah in Spiritualität und dem Engagement für Menschenrechte eine gemeinsame Grundlage zwischen sozialistischen Christen  und Sozialisten anderer religiöser Bekenntnisse. Er gab zugleich eine Einführung in das Themen-Dokument des Kongresses ‚Social Globalisation’ und in den Bericht ‚faith and politics: The interfaith challenge’ mit Berichten aus Britannien, Finnland, Niederlande, Südafrika,Schweden, USA über Beziehungen und gemeinsame Aktionen von Christen und Menschen eines anderen religiösen Bekenntnisses. Zum Thema ‚Soziale Globalisation’ sprachen dann Vertreter des Südens und Nordens.

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Ronaldo Llamas, Präsident der Bürger Aktion Partei aus den Philippinen (3.v.l.), sprach über das schnelle Wachstum der Wirtschaftskreisläufe Asiens. Asien wird als Finanzplatz wahrgenommen, profitiert mal von ausländischem Kapital, aber erlebt Finanzkrisen, wenn Spekulanten ihr Kapital wieder abziehen. Übersehen werden die sozialen und ökologischen Probleme. Wirtschaftliches Wachstum muss mit Demokratie verbunden sein. Mohamed Dangor von der Kommission für Religiöse Angelegenheiten, Afrikanischer Nationalkongress (ANC), Botschafter Südafrikas im Libanon, forderte ein afrikanisches Parlament und eine afrikanische Bank. Sergio Moya Mena vom Sozialistischen Internationalen Komitee für Lateinamerika, Costa Rica (2.v.l.)erinnerte an die Rechte der Indigenas (Ureinwohner) an Grund und Boden, an die Landlosen, die wie in Brasilien ihre Rechte einfordern. Soziale und politische Linke müssen sich vereinigen. Er würdigte die Befreiungstheologie. Als Vertreter des Nordens sprach Peter Weiderud, Direktor für Internationale Angelegenheiten  beim Weltrat der Kirchen und Präsident von Sveriges Kristna Socialdemokraters Förbund. Broderskapsrörelsen (2.v.r) und Atle Sommerfeldt, Generalsekretär von Kirkens Nödhjelp (3.v.r.). Sie waren sich darin einig, dass Marktwirtschaft einen Rahmen haben muss, der Menschenrechte garantiert und dass die reichen Nationen angesichts des Hungers in der Welt große Verantwortung haben. Eine Diskussion mit den Delegierten schloss sich an. Nachmittags sprachen Vertreter der Weltreligionen zum Thema. Dr. Rannfrid Thelle, Theologin, vom Exekutiv-Komitee, Kristne Arbeiter, Nowegen hatte Vorfahren, die Missionare waren.

 

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Sie sprach über Spannungen, Missverständnisse im Karikaturenstreit. Einen Kampf der Kulturen darf es nicht gegeben. Sie erinnerte auch an säkular geprägte Kulturen und die Theologie Dietrich Bonhoeffers; sie verurteilte die Verletzung der Menschenrechte überall.

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Großen Beifall erhielt Irshad Manji, Vertreterin der islamischen Religion aus Canada.

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Sie ist Autorin der Bücher „The trouble with Islam. A Muslims Call for Reform in Her Faith“ (2002) und „Der Aufbruch. Plädoyer für einen aufgeklärten Islam“ (2003) (vgl. www.muslim-refusenik.com).  Viele Muslime sind der Gewalt im Namen des Islam überdrüssig“, sagte sie. Gegenüber Voruteilen und repressiven Traditionen setzt sie auf die Macht der Fragen. Besonders für die Rechte von Frauen in der islamischen Welt trat sie ein und erinnerte an Chadidscha, die als reiche Kaufmannswitwe ihren Mann selbst wählte, keinen anderen als Mohamed. Zwangsheirat ist also keine genuin islamische Tradition. „Die Gewalt im Namen des Islams ausüben, fügen ihrem Glauben Schaden zu“, sagte sie und forderte Freiheit für die Wahl und Ausübung der Religion.

Als Vertreter des Judentums sprach Andrew Hammer, USA., Generalsekretär ILRS

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In der Tradition der Thora sah er die Aufgabe von Menschen jüdischen Glaubens darin, der Welt Heilung zu bringen. Er erinnerte an das Buch Esra. Jeder muss seine Aufgabe als religiöser Mensch erfüllen. Er gedachte Abrahams, der Vorbild des Glaubens war. Menschen können Söhne und Töchter Abrahams sein, vor Gott gleich, angewiesen aufeinander. Er sah in den Propheten unsere Vorbilder, die wie Jeremia und Amos für die Rechte der Armen eintraten.

In die Reihe dieser Vorträge gehörte auch der Beitrag von Swami Agnivesh, Indien, Vorsitzender der Bandhua Mukti Morcha (Bonded Labour Liberation Front), Vorsitzender des United Nations Trust Fund on Contempory Forms of Slavery, der für die Befreiung von Schuldsklaven, einschließlich der misshandelten und ausgebeuteten Kinder eintritt. Er ist Präsident von Arya Sama, einer monotheistischen religiösen Gemeinschaft in hinduistischer Tradition.

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Er bekannte sich zu Gott als dem Einen Einzigen und sah in den Menschen eine Familie. Dass in einer Familie der Jüngste und Schwächste Hilfe bekommt, sei ein Modell für die Welt, wie sie sein sollte. Seiner Befreiungsfront gelang es in den letzten 20 Jahren 175 000 Schuldsklaven zu befreien. Die ILRS lud er nach Indien ein.

Am Nachmittag tagten Arbeitsgruppen zum Thema. Nachdem wir die ganze Zeit von englischen Worten umgeben waren, hatten wir das Vergnügen, mit Delegierten aus den Niederlanden, Österreich und Skandinavien eine deutschsprachige Gruppe zu bilden. Etwas Zeit blieb noch, im Fernsehen den knappen Sieg der deutschen Elf gegen Argentinien bei der Fußball-Weltmeisterschaft zu sehen. Aus Solidarität mit den Norwegern, die Prohibitionsgesetze erlassen haben – eine Flasche Wein kostet 25 € -  tranken wir anders als die in Deutschland Feiernden Wasser. Die Norwegische Arbeiterpartei und Gewerkschaft lud zum Abendessen und Empfang ein. So hatten wir Zeit für viele wichtige Gespräche.

Am Samstagmorgen stand ‚Mitgliederversammlung’ auf dem Programm. Andrew Hammer gab den Bericht des Generalsekretärs: Für die Vorbereitungen der Konferenz konnte die ILRS mit der Hilfe der norwegischen Arbeiterpartei und Gewerkschaft rechnen. Maria Hevzy war unsere unermüdliche und freundliche Betreuerin. Das Olof Palme Internationale Zentrum hatte die Gäste aus der Ferne hergebracht. Der Kongress vereinte mehr Mitgliedsorganisationen als je zuvor, darunter sieben außerhalb Europas. Es bestehen auch Kontakte zu Gruppen von den Philippinen, Canada, Brasilien, Argentinien, Costa Rica, Israel und Palästina. Da die ILRS assoziiertes Mitglied der Sozialistischen Internationale ist, haben sich hier zahlreiche Kontakte ergeben. Andrew berichtete von den Besuchen in diesen Ländern. Pär Axel Sahlberg als Präsident gab den Bericht des Exekutiv-Komitees. Wir gedachten der verstorbenen Mitglieder Harry Watson (GBR) und Irène Häberle (CH). Die Wahlen am Nachmittag brachten diese Ergebnisse: Pär Axel Sahlberg (Schweden), Präsident (Wiederwahl), Bev Thomas (GBR), Vizepräsidentin (Bestätigung), Cedric Mayson, (Südafrika) Vizepräsident, Andrew Hammer (USA,Wiederwahl), Johan van Workum Schatzmeister (Niederlande, Wiederwahl). Mitglieder des Exekutiv-Komitees wurden Marianne Uri Överland (Norwegen, Wiederwahl), Ricardo Aguado (Spanien), Mathias Lauer (Österreich), Tapio Lampinen (Finnland, Wiederwahl), Judy Deutsch (USA, Wiederwahl), Gyula Hegyi (Ungarn, Wiederwahl). Rechnungsprüfer wurden: Herman Noordegraf (Niederlande, Wiederwahl), Maria Hevzy (Norwegen), NN (Dominikanische Republik).

Der Jahresbeitrag wurde wieder auf 200 € pro Jahr festgelegt. Unser finanzschwacher deutscher Bund hatte für die letzten Jahre einen ermäßigten Beitrag bezahlt und bekommt für diese Periode noch einmal eine Ermäßigung (um die Hälfte; wie immer haben wir Delegierte aus Deutschland anders als üblich alle Reisekosten selbst bezahlt.) Wir hoffen, dass der BRSD  später wieder zahlungskräftig wird. Freilich haben die meisten Mitgliederorganisationen Europas anders als die unabhängigen in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden Unterstützung von ihrer Partei. Alle Mitgliederorganisationen hatten vormittags Berichte zur Lage abgegeben, Michael für uns.

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Verabschiedet wurde eine Resolution: Zehn Wege, die Welt zu verbessern. In Luzern war ein „Memorandum für eine gerechte, ökologische und friedliche Gesellschaft“ „entgegen genommen“ worden mit dem Auftrag, die Thematik weiter zu bearbeiten (Neue Wege 9 / 2203, S. 272 - 274).  Das ist in Oslo geschehen. Allerdings ist das Luzerner Dokument, von einem Seminar in der Schweiz erarbeitet, in der Schärfe seiner Analyse und in der Konkretion seiner Forderungen nach wie vor höchst aktuell. Über die Lage in Israel und Palästina diskutierten wir besorgt, ohne eine Resolution zu verabschieden. Evert Svenson hat sich während seiner 19jährigen Amtszeit als Präsident besonders für Versöhnung und Frieden eingesetzt. Zu Hause hören wir mit Entsetzen von einer weiteren Eskalation kriegerischer Handlungen.

Die Konferenz klang aus mit einer Singe-Runde am Abend.

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Am Sonntag hatten wir bei schönem Wetter noch Zeit, auf einer Rundfahrt von unsern norwegischen Freundinnen und Freunden durch Oslo geführt zu werden. Wir genossen die Aussicht bei der Ski-Schanze Holemenkollen.

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Wir sahen die Skulpturen von Gustav Vigeland (1869-1943) im Park,

 

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aßen in der Nähe des Doms zu Mittag und sahen Rathaus, Schloss, Burg und Hafen.

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Wir schieden in dem Bewusstsein: Es war gut, alte Freunde und Freundinnen wiederzusehen und neue zu gewinnen, Freundinnen und Freunde auf der ganzen Welt, mit denen wir zusammen wirken wollen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

 

                                                                                                               

 

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